Reise zur totalen Sonnenfinsternis
am 22. Juli 2009 in China

 

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Robert Nufer

Robert Nufer

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Dies ist unser Tagebuch der klassischen China-Reise mit Sonnenfinsternis 2009, organisiert und durchgeführt von Wittmann-Travel, Hamburg.

Geleitet wurde die sechzehntägige Reise, bestehend aus drei Gruppen, von Joachim Biefang, Kristina Ziemons und Alexandra Kampmeier. Joachim war ausserdem zuständig für die astronomischen und astronomisch-historischen Aspekte der Reise. "Wie immer" brachte er auch diesmal seine Instrumente zur Himmels- und Sonnenbeobachtung vor Ort und stellte sie uns allen zur Verfügung.

Zwar war das Wetter während der Finsternis nicht optimal, aber wir waren, Zitat: "... die Glücklichen unter den Unglücklichen".

Wir, die wir zum ersten Mal in China waren, konnten ob der idealen Organisation und Durchführung nur staunen. Fast möchte man meinen, dass es unmöglich ist, eine derart vielseitige Reise so perfekt zu planen und durchzuführen.

Dieses Tagebuch möchten wir Wolfgang widmen, der aus gesundheitlichen Gründen noch vor der Finsternis nach Hause fliegen musste.

 

 

Sonntag, 12. Juli 2009   Basel - München - Peking

Andreas, Susi und ich haben uns erst spät für die Reise angemeldet, deshalb wurden wir der dritten Gruppe zugeteilt, welche nicht von Frankfurt, sondern von München nach Peking fliegt. Da der Flug erst am späteren Nachmittag startet, haben wir uns entschlossen, gemütlich mit dem Zug nach München zu fahren. Das Angebot der Deutschen Bahn kostete nicht mal hundert Euro für uns drei Basler. Dem Rhein entlang über Singen steigen wir in Ulm in den ICE nach München-Pasing und dort in die S8 zum Flughafen. Wir futtern eine Kleinigkeit - ich zum Beispiel Sushi zum Angewöhnen - und treffen dann unsere Leiterin Alexandra und die anderen Gruppenmitglieder. Wie es empfohlen wurde, versuche ich meine zum Teil von Freunden ausgeliehene Film- und Fotoausrüstung beim Zoll anzumelden, aber dafür scheint es keine Formulare zu geben. Also bitte ich den Beamten, wenigstens einen Stempel auf meine Ausrüstungs-Liste zu setzen, damit diese immerhin etwas "offiziell" aussieht.

Der Flug LH722 führt weit nördlich an Moskau vorbei und bald geht die Sonne - stark abgeplattet - unter. Da Hochsommer ist, wird es nicht ganz dunkel. Stattdessen ist in nördlicher Richtung die ganze Nacht hindurch der orange Dämmerungssaum zu sehen.

Richtig schlafen kann man nicht; dafür ist der Airbus viel zu eng bestuhlt. Höchste Zeit, dass hoffentlich bald die Beinfreiheit in Flugzeugen erhöht wird ...

 

 

Montag, 13. Juli 2009   Antikes Observatorium Peking

Die Flugpassagiere werden aufgefordert, nach der Landung sitzen zu bleiben, damit die Gesundheitsbehörden jeden Passagier auf Fieber untersuchen können. Im Vorfeld war davon die Rede, dass alle Passagiere bis drei Reihen vor und hinter Fieberpatienten für mindestens sieben Stunden in Quarantäne müssten ... also bitte nicht niesen!

Jedem Passagier wird kurz eine Temperatursonde an die Stirn gehalten. Wir haben Glück, das ganze Flugzeug ist gesund. Im Terminal werden die Warteschlangen nochmals telemetrisch gemessen. Alles funktioniert prima, und ohne Probleme warten wir nach einer knappen Stunde auf unser Gepäck. Das Terminal ist übrigens von ansprechender Architektur und überdies offensichtlich sehr zweckmässig konstruiert. Der erste Eindruck auf chinesischem Boden ist damit schon einmal gut!

An allen Orten, die wir besuchen werden, ist für jede Gruppe ein deutschsprachiger Guide vorgesehen. Hier in Peking macht Song den Anfang. Ebenso wird jede Gruppe jeweils einen eigenen Reisebus zur Verfügung haben. Damit haben wir, die "Blauen", ein gutes Los gezogen, denn unsere Gruppe ist nur halb so gross wie die beiden anderen Gruppen "Rot" und "Gelb".

Es ist um Mittag, 28 °C warm und extrem feucht, als wir ins Hotel Qianmen fahren, unsere Station für die nächsten drei Tage. Wir machen uns kurz frisch und werden dann zu einem folkloristischen Restaurant gefahren.

Die Sonne ist über dem dichten Smog kaum auszumachen, als wir zum antiken Observatorium fahren, wo uns Joachim empfängt. Die anderen beiden Gruppen haben die Führung bereits hinter sich, da sie, aus Frankfurt kommend, früher in Peking eintrafen als wir. Das Observatorium besteht aus der Turmanlage, sowie einem Garten und, als Museum, einem Pavillon, in dem einige der Instrumente ausgestellt sind. Da das Wetter immer schlechter zu werden droht, besteigen wir den Turm und lassen uns die vielen bronzenen Geräte erklären. Da beginnt es plötzlich zu schütten und wir finden im Pavillon Zuflucht. Aber lieber jetzt als am Finsternistag ...

Wieder im Hotel haben wir bis 19:00 Uhr Zeit, um uns frisch zu machen, bevor sich alle drei Reisegruppen in einem Konferenzraum treffen, wo Joachim sein Team vorstellt.

Neben Kristina, die 2006 bei der ringförmigen Finsternis in Französisch Guyana unsere Reiseleiterin war, erkenne ich nur Christian, der damals auch dabei war. Aber Benno und Peter, die beiden Haudegen aus Burgdorf, mit denen ich 2006 in Libyen war, sind auch dabei.

Zu Nacht essen wir im Hotel, fein, aber sehr scharf. Zur Kühlung macht Hirseschnaps für 10 Yüan das Fläschchen die Runde.

Wir haben bereits sehr viele Eindrücke im Kopf, dabei sind wir doch erst heute Morgen eingetroffen.

 

 

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Das erste vieler leckerer Essen in einem Pekinger Restaurant.

 

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Das erste vieler leckerer Essen in einem Pekinger Restaurant.

 

 

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Ein Himmelsquadrant (und Polzeiger) auf dem Turm des antiken Observatoriums Peking.

 

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Eine Armillar-Sphäre auf dem Turm des antiken Observatoriums Peking.

 

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Replik einer Armillar-Sphäre.

 

 

Das Pekinger Observatorium in seiner heutigen Form wurde während der Ming-Dynastie (ab 1421) erbaut und blieb während fünfhundert Jahren, bis 1929, in Betrieb. Die Geräte auf dem Beobachtungsturm und der Turm selbst dienten zur genauen Positionsbestimmung von Sonne, Mond und Gestirnen. Im 17. Jahrhundert baute Ferdinand Verbiest sechs weitere Geräte, und 1744 kam auf Bestellung von Qian Long eine Armillar-Sphäre hinzu.

 

 

Dienstag, 14. Juli 2009   Tiananmenplatz - Verbotene Stadt - Ming-Gräber

Wir werden um 07:00 Uhr geweckt, damit wir gemütlich frühstücken können. Zwischen den Wolken lugt ab und zu die Sonne hervor. Wir werden zum Platz des himmlischen Friedens gefahren und staunen erst mal über die Grösse. Mit einer Fläche von vierzig Hektaren soll er der weltgrösste befestigte Platz sein. Rechterhand steht das Mao-Mausoleum, vor dessen Eingang eine mehrere hundert Meter lange Menschenschlange steht, um einen kurzen Blick hinein werfen zu können. Wir schlendern über den Platz und treffen uns vor der Unterführung, durch welche man zum Tor des himmlischen Friedens gelangt. Mit dem ganzen Menschenstrom treiben wir durch das Tor und gelangen in die verbotene Stadt.

In der Stadt lebten Kaiser bis zur Revolution 1911. 1924, nachdem die letzte Kaiserfamilie ausgezogen war, wurde die Stadt für die Bevölkerung geöffnet.

Ab und zu machen wir eine Geschichtspause, möglichst an einem schattigen, aber trotzdem heissen Platz. Am nördlichen Ende der verbotenen Stadt befindet sich eine kleine hübsche Gartenanlage. Zum Glück mit Kiosk für Eiscreme und Getränke ...

Zum Mittagessen werden wir in ein grosses Restaurant gefahren, bevor es Richtung Himmelstempel geht. Der Weg zu diesem Tempel führt durch einen grossen, öffentlichen Park, den die Chinesen gerne zum Spielen, für Begegnungen und zum gemeinsamen Singen und Musizieren benutzen.

Auf dem Programm steht nun der Besuch einer Süsswasserperlen-Fabrik, offenbar Pflichtpunkt für die Touristen-Guides. Eine junge Frau zeigt uns, wie die Keime der Perlen eingesetzt und dann die Perlen geerntet werden. Dazu schneidet sie eine Muschel auf, in der sich etwa ein Dutzend kleine rötliche Perlen befinden. Wir haben die Gelegenheit, uns im Geschäft umzusehen und gegebenenfalls das eine oder andere Schmuckstück zu kaufen.

Song hat in Erfahrung gebracht, dass wir sofort zu einer Aufführung im Kung-Fu Theater fahren können, da die Darbietung gleich beginnt. Also hin, wenn wir schon da sind. Die Aufführung ist sehr ästhetisch, laut und rhythmisch inszeniert; mit melancholischen, aber vor allem schnellen Kung-Fu-Szenen. Uns hat es sehr gefallen.

Zum Nachtessen versuchen wir es heute auf eigene Faust im Hotelrestaurant, aber selbst mit Handzeichen und Hinweisen auf Bilder in der Menukarte bekommen wir zwei Schälchen mit Spaghetti, einen Topf mit Chicken und einer mit Beef, allerdings sind fast nur Fettstücke zu finden. Immerhin, unvergessliche wird es bleiben.

Den Tag lassen wir drei dann in der Piano-Bar bei einem Irish Coffee ausklingen. Wiederum ein Tag voller Eindrücke...

 

 

 

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Menschenschlange auf dem Weg zum Mao-Mausoleum. Dahinter das Denkmal für die Helden des Volkes.

 

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Vor dem Tor des himmlischen Friedens.

 

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Geschichtsunterricht von Song in der verbotenen Stadt.

 

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Dämonische Verzierungen auf einer Pagode in der verbotenen Stadt.

 

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Im Steingarten am nördlichen Ende der verbotenen Stadt.

 

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Gemeinsames Musizieren in Park zum Himmelstempel in Peking.

 

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Der Himmelstempel in Peking (UNESCO Weltkulturerbe).

 

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Die Pianobar im Hotel Qianmen.

 

 

Auch der Platz des himmlischen Friedens war bis 1911 für das Volk nicht zugänglich. Der grösste befestigte Platz der Welt wird begrenzt durch das Tor des himmlischen Friedens, der Grossen Halle des Volkes, dem Mao-Mausoleum und dem Nationaltheater.

Die verbotene Stadt, Meisterwerk chinesischer Architektur, war Wohn- und Regierungsraum der letzten Kaiserdynastien Ming (1368–1644) und Qing (1644-1911).

Der Himmelstempel wurde 1420 vom Ming-Kaiser Yongle errichtet und diente den beiden Dynastien als Gebetstempel für gute Ernte.1890 wurde er nach einem Brand wieder aufgebaut.

 

 

Mittwoch, 15. Juli 2009   Grosse Mauer - Ming-Gräber

Ich schlafe nicht gut. ab 03:00 Uhr liege ich wach und überlege mir nochmals das Foto-Programm für die Finsternis. Video nur von den fliegenden Schatten statt den ganzen Himmel filmen? Nur die Epson-Kamera auf dem Stativ für die Himmelsprojektion? ... Um 06:00 stehen wir auf, duschen, Frühstück. Das "Essen" von gestern Abend beginnt sich zu rächen, ausgerechnet heute, wo die einstündige Fahrt zur Mauer auf dem Programm steht. Drei Imodium sollten etwas helfen. Ich hoffe, dass es gut gehen wird. Der Fahrer gibt mir zuliebe etwas Gas und nach einer Stunde erreichen wir Badaling, nördlich von Peking.

Man empfiehlt uns, den nach Norden führenden Teil der Mauer zu besteigen, da dieser zwar etwas steiler, aber dafür etwas weniger überlaufen ist. Die Mauer ist eine unglaublich wuchtige Befestigungsanlage, die sich Hügeln und Bergen anschmiegt.

Es ist sehr heiss, wenn auch nicht wolkenlos und wir kraxeln etwa zwei Stunden auf der Mauer herum, bevor wir uns im Badaling-Hotel zum Mittagessen treffen. Auch hier, es wird als Büffet aufgetischt, zeigt sich die grosse Erfahrung im Umgang mit Menschenmassen. Alles klappt wie am Schnürchen...

Zu der Müdigkeit, die der Besuch der Mauer mit sich bringt, kommt die Verdauung des Essens und so sind wir alle schon sehr müde, als wir zu den Ming-Gräbern gefahren werden. Mehr als sich an den schönen Exponaten erfreuen können wir uns nicht mehr. "Redaktionsschluss", wie Andreas bemerkt.

Uns zuliebe nimmt der Fahrer auf dem Rückweg nach Peking einen verkehrstechnisch mühsamen Umweg in Kauf, damit wir zum Olympiadorf von 2008 gelangen, von wo aus wir, eine Böschung erklimmend, das "Vogelnest" genannte Olympiastadion "unserer" Herzog & de Meuron fotografieren können.

Zur Erholung fährt ein Teil unserer Gruppe zur Fussmassage. Ich gehe zwar mit, schlendere aber diese eine Stunde durch einem nahegelegenen Park und beobachte die Menschen, die wohl auf dem Weg von der Arbeit nach Hause sind.

Wer sich angemeldet hat, kann zum Nachtessen "Pekingente" geniessen, Susi und ich versuchen es erneut im Hotelrestaurant, aber diesmal auf der "europäischen" Seite. Wieder geht's ziemlich daneben: Das einzige europäische ist der Preis. Das Essen ist extrem fettig und besteht bei mir aus fleischlosem Speck und Knoblauch.

Morgen geht's in die Altstadt, und dann werden wir nach Xian fliegen, also packen wir und stellen die Koffer vor 's Zimmer und gehen, hundemüde, bereits um 21:00 Uhr zu Bett.

 

 

 

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Verschnaufpause auf einem Mauerturm.

 

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Auf der chinesischen Mauer, die sich hier sehr steil dem Berg anschmiegt.

 

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Die Büste eines Ming-Kaisers.

 

 

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Grabbeigaben.

 

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Im Garten bei den Ming-Gräbern.

 

 

 

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Teilansicht des Nationalstadions in Peking - dem "Vogelnest".

 

 

 

Die Grosse Mauer sollte das chinesische Reich gegen Reitervölker aus dem Norden schützen. Nach Länge (weit 5000 Kilometer) und Volumen ist sie das grösste Bauwerk der Erde. Vielerorts längst zerfallen, wird sie an einigen Stellen restauriert, so auch der ganze Teil bei Badaling, wo sie heute eine der grössten Touristenattraktionen Chinas darstellt.

Die Ming-Gräber am Fusse des Berges Tianshou ist die Begräbnisstätte von dreizehn Kaisern der Ming-Dynastie. 2003 wurden die Ming-Gräber in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.

 

 

Donnerstag, 16. Juli 2009   Pekinger Altstadt - Sommerpalast - Xian

Für Joachims Geburtstag haben sich die Mädels eine Überraschung ausgedacht: Um 08:00 Uhr scharen wir uns um ihn und singen "Happy Birthday". Die Geburtstagstorte schneidet er an und verteilt die ersten Stücke.

Wir dürfen Gepäck und Pässe abgeben, damit das einchecken nach Xian ohne uns ablaufen kann, dann fahren wir zur Altstadt und besteigen jeweils zu zweien, eine Rikscha. Die Fahrt geht durch enge Quartiere und Song bringt uns dann ins Haus eines ehemaligen Archäologen, der Zeit seines Lebens hier, an einem Ort in Harmonie, am Wasser, und seinen Traditionen lebt.

Noch ein kurzes Stück mit der Rikscha, dann schlendern wir durch einen der Märkte Pekings. Die letzte Sehenswürdigkeit, die wir in Peking besuchen, ist der kaiserliche Sommerpalast, ein Geburtstagsgeschenk eines Kaisers an seine Mutter. Was man heute sieht, ist zum grössten Teil nicht mehr original, aber es ist eine sehr schöne Gartenanlage mit vielen Pavillons. Nachdem wir ein ganzes Stück dem Ufer entlang und dir den Wandelgang spaziert sind, treffen wir uns beim Marmorschiff, dem letzten Relikt, das an die Verschwendung von Truppengeldern Ende des neunzehnten Jahrhunderts erinnert.

Nach dem Mittagessen werden wir zum Flughafen gefahren; alles ist bereits perfekt organisiert. Wir verabschieden uns von Song, dem ruhigsten und ausgeglichensten Begleiter, den wir in diesen Ferien kennen gelernt haben werden.

Nach anderthalb Stunden sind wir in Xian und werden von Kun "übernommen". Die Luft ist sehr düppig und es ist unmöglich, die Sonne durch den feuchten Dunst zu sehen. Nach fünfzig Minuten sind wir im New World Hotel. Heute verzichten wir aufs Nachtessen, wir sind viel zu müde und überdies noch satt vom Mittagessen und dem Imbiss im Flieger. Mit Andreas gehe ich noch auf ein Bier an die Bar. Heute gibt es noch grosse Wäsche und kurz nach Mitternacht ist Bettruhe.

 

 

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Platz nehmen zur Fahrt durch die Pekinger Altstadt.

 

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Auf dem Gemüse- und Früchtemarkt in der Pekinger Altstadt.

 

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Mit einem langen Pinsel zaubert ein Kalligraphie-Meister die Namen von Passanten auf den Boden. Wunderschön - vergänglich.

 

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Am See beim kaiserlichen Sommerpalast.

 

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Das Marmorschiff im See des kaiserlichen Sommerpalasts.

 

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Auf dem Trip zum Mittagessen.

 

 

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Im New World Hotel in Xian.

 

 

Der alte Sommerpalast wurde Mitte des 18. Jahrhunderts vom Qing-Kaiser Qianlong errichtet und diente als Aufenthaltsort der kaiserlichen Familie über die feucht-heissen Sommermonate. Die heutige Anlage wurde etwas weiter westlich davon gebaut. Auch sie ist Weltkulturerbe der UNESCO.

 

 

Freitag, 17. Juli 2009   Stelenwald - Wildganspagode - Terracotta-Armee

Wir sind sehr zeitig am Frühstück, damit wir es ausgiebig geniessen können. Es lohnt sich, denn bald füllt sich der Essraum. Um 08:30 fahren wir zum Stelenwald, einem Museum für Stelen und Steinskulpturen. Der liebevolle Name Stelenwald deutet darauf hin, dass hier so viele Stelen wie Bäume im Wald dastehen.

Wir können zusehen, wie ein Arbeiter Abklatsche der Inschriften macht, indem er nasses Papier an die Stelen klatscht, diese antrocknen lässt und dann mit einem Farbschwamm das Papier derart abtupft, dass die eingravierten Stellen keine Farbe abbekommen und so als weisse Buchstaben auf geschwärztem Papier hervortreten.

Als nächstes fahren wir zur grossen Wildganspagode, einem mehrstöckigen Tempelbau aus dem siebten Jahrhundert. Durch Erdbeben steht die Pagode etwas schief - deutlich sichtbar, aber doch weniger schief als der Turm in Pisa. Die Pagode steht in einer schönen Parkanlage inmitten weiterer Pagoden einer einstigen Tempelanlage. Auch heute kommen viele Einheimische, um vor den verschiedenen Buddha-Statuen in verschiedenen Pagoden zu beten.

In einer Pagode sind wandgrosse Holz- und Bronzereliefs zu bestaunen. Bevor wir zum Mittagessen fahren, steht der Besuch einer Jadeschleiferei, offenbar Pflichtprogramm, an.

Und jetzt geht's zu einem Höhepunkt der Reise, zum Museum der Terracotta-Armee. Es herrscht sehr grosser Andrang, aber trotzdem geht es sehr friedlich zu. Um drei Ausgrabungsgebiete (Gruben) wurde jeweils gleich ein der Baustelle angepasstes Haus gebaut, Man besucht - besser gesagt umgeht - also Grube eins bis drei. Zusätzlich gibt es einen Souvenir-Shop und der dreiundsiebzigjährige Bauer, der vor vierzig Jahren die erste Figur in seinem Garten fand, signiert (seit damals) auf Wunsch das Buch zur Ausstellung. Die Faszination des Anblicks der Armee kann ich nicht in Worte fassen; das muss man einfach gesehen haben.

Um 18:45 Uhr sind wir, nach der einstündigen Busfahrt, wieder im Hotel. Susi und ich kaufen im Supermarkt gegenüber Nudelsuppe als Nachtessen. Grossen Hunger haben wir nicht, aber wir sind der vielseitigen Eindrücke wegen sehr müde. Dabei steht, nach einem Bummel durch den muslimischen Markt, noch ein Glanzpunkt - im wahrsten Sinne - auf dem Abendprogramm: Die Lichterfahrt zu einer Fontänenanlage in der Stadt, wo ab 21:00 Uhr zu chinesischer und klassischer Musik eine Wasserorgel im farbigen Licht zu bestaunen ist.

Auf dem Nachhauseweg machen wir einen Umweg zu einem künstlichen See, an dessen Ufer eine Strasse mit modernen Bars und Restaurants gebaut wurden; praktisch eine künstliche Flaniermeile.

Morgen fliegen wir weiter, also heisst es noch vor dem Schlafengehen Koffer vor die Türen, damit wir es wiederum bequem haben werden.

 

 

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Stolz des New World Hotels: Der Pool mit dem 29 Meter breiten Relief der Bildhauerin Cai Xia Men. Es zeigt den ersten Qin Kaiser (ca. 200 v. Chr.), flankiert von seinem Premier und einem General.

 

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Geniesst Tanja den ästhetischen Anblick der Bilder und Stelen?

 

 

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Abklatsche von Text und Bildern im Stelenwald-Museum.

 

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Buddha in einem Tempel neben der grossen Wildganspagode.

 

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Im Garten um die grosse Wildganspagode.

 

 

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Terracotta-Figuren; noch in der Grube.

 

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Gehobene Terracotta-Figuren.

 

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Ausgestellte Quadriga im Museum der Terrakotta-Armee.

 

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Muslimischer Markt in Xian: Fleisch-Spiesschen auf ausgedienten Fahrradspeichen.

 

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Wasserorgel im Zentrum von Xian.

 

 

Der Stelenwald von Xian ist ein Museum für Stelen und Steinskulpturen, viele davon aus der Tang-Dynastie (618-907). Unter anderem sind hier klassische Literaturwerke "in Stein gehauen".

Die grosse Wildganspagode im Hof eines Klosters wurde im siebten Jahrhundert vom Tang-Kaiser Gaozong zur Erinnerung an seine verstorbene Mutter gebaut.

Die Terrakotta-Armee ist Bestandteil des Mausoleums Qins, des ersten Kaisers der chinesischen Dynastien aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert. In der bis heute grössten bekannten Grabanlage wurde nicht nur der Kaiser bestattet, sondern eine ganze Armee von Tausenden von Kriegern und Pferden in Lebensgrösse in Ton modelliert. In einem Grabhügel wurden zwei Bronzegespanne (Quadrigas) in halber Lebensgrösse gefunden.

 

 

Samstag, 18. Juli 2009   Chongqing - Einschiffung auf die "Yangtse I"

Um 05:15 ist Tagwache, damit wir in Ruhe frühstücken und auschecken können. Am Flughafen verabschieden wir uns von Kun und nehmen, bequemer geht's nicht, die Bordkarten in Empfang. Der Flug nach Chongqing dauert eine Stunde. Hier werden wir von Han empfangen, welche uns die Stadt zeigen und dann zum Schiff bringen wird. Sie ist eine zierliche Dame, und es ist ein Genuss, ihr bei ihrem herzhaften Lachen über Unterschiede zwischen unseren und ihren Mentalitäten und Gebräuche zuzusehen.

Wir fahren auf einer Autobahn durch die gebirgige Landschaft zur Stadt. Viele (für chinesische Verhältnisse) kleine Brücken und Tunnel sind zu befahren. Oft meint man vor lauter Wolkenkratzer , bereits im Zentrum zu sein, aber die Szenerie wiederholt sich mehrmals. Chongqing ist mit dreissig Millionen Einwohnern die grösste Stadt der Welt. Fahrräder gibt es fast keine hier - zu steil ist das Gelände. Auffallend ist, wie schön und gepflegt die Autobahn wirkt. Oft schmücken Blumen und Büsche den Mittelstreifen.

Wir halten auf einem grossen Platz unter dem Dreischluchtenmuseum und dem Palast des Volkskongresses. Es ist sehr heiss und schwül; dafür ist Chongqing bekannt.

Zum Mittagessen gehen wir in ein Restaurant in einem offenen Soussol. Herrlich, die Abkühlung auf der Treppe. Zuletzt  taucht der Kopf in die angenehme Frische ab.

Das Nachmittagsprogramm sieht einen Besuch des Parks an der höchsten Stelle der Stadt vor. Von hier haben wir einen guten Blick auf das im Dunst liegende Häusermeer der Stadt. Als touristisches Muss besuchen wir einen Teeladen, wo uns eine junge Frau in das "Tee-Zeremoniell" einweiht, wiederum Pflichtprogramm für Guides.

Dann werden wir hinunter in die Altstadt gefahren, dort wo es noch keine Kanalisation gibt und der Nachttopf "Alltag" ist. Han erklärt, dass die Häuser hier bald abgerissen und durch neue, aber im klassischen Stil gebaute ersetzt werden sollen.

Dann - welch krasser Gegensatz - fahren wir zu einer modernen Einkaufsmeile, wo wir etwas Essbares für die erste Nacht auf dem Schiff einkaufen können. Vor allem Wasser wird uns empfohlen, da auf dem 5-Sterne-Schiff Wasser auch einen 5-Sterne-Preis kosten wird.

Dieser Tag mit Han war sehr schnell vergangen und wir werden zur Anlegestelle gefahren, an der die Yangtse ankert. Unser Gepäck ist schon da und wir können die Zimmer beziehen; alle mit eigenem WC und Dusche.

Nach dem Waschen und Duschen besichtigen wir erst einmal das Schiff und gönnen uns ein Bier auf Deck Vier im Ballsaal. Susi und ich kochen zu Nacht Nudelsuppe, darin haben wir - seit der letzten Reise in der Mongolei - viel Erfahrung.

Entgegen dem Programm wird die Yangtse erst morgen früh auslaufen und wir verbringen den Abend an Deck, wo wir am Himmel nur Vega und Arktur ausmachen können. Wer auf Lichtverschmutzung steht, ist in Chongqing richtig. Die immer neblig trübe Smog-Luft ist ein ideales Medium für Sky-Beamer und scheinbar wirft jeder, der auf seinen Wolkenkratzer stolz ist, diese gebündelten Lichtkegel zuhauf in alle Richtungen an den Himmel.

 

 

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Das Dreischluchtenmuseum in Chongqing.

 

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Andreas vor der Halle des Volkskongresses in Chongqing.

 

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Der Künstler zeichnet blitzschnell Namen mit farbigen Verzierungen - hübsche Souvenirs

 

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Altstadtbummel in Chongqing.

 

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Einkaufsbummel im modernen Chongqing.

 

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Die Yangtse I - unser Zuhause für die nächsten Tage.

 

 

Die Halle des Volkskongresses, eines der Wahrzeichen Chongqings, wurde in den Fünfzigerjahren, architektonisch in starker Anlehnung an den Himmelspalast in Peking erbaut. Sie bietet Platz für 4500 Parlamentarier.

 

 

Sonntag, 19. Juli 2009   Fengdu, die Stadt der Geister

Um 06:00 Uhr erwachen wir. Es ist längst Tag und starker Smog und Dunst liegen nach wie vor über der Stadt. Für Frühaufsteher steht im Ballsaal Kaffee zur Verfügung; ein angenehmes Angebot, von dem wir vor dem Frühstück gerne profitieren. Um 08:00 Uhr setzt sich die Yangtse mit einem Wendemanöver flussabwärts in Bewegung. Das Frühstück besteht, wie alle folgenden Essen an Bord, aus einem vielseitigen Fünfsterne-Büffet.

Die chinesische Begleitung und Führerin heisst Wolke. Sie gibt einen Vortrag über den Yangtse, die Schluchten und weiteres Wissenswertes zur Kreuzfahrt.

Der Fluss ist an einigen Stellen nur etwa doppelt so breit wie der Rhein in Basel, anderenorts vielleicht siebenmal so breit. Die einstmaligen Städte und Dörfer am Ufer wurden allesamt um gut hundert Meter weiter oben angelegt. Etwa eine Million Menschen mussten des gestauten Wassers wegen nach oben ziehen.

Mehrere Brücken führen über den Yangtse, allesamt viel grösser als jede Brücke in der Schweiz. Und weil die Gegend hier sehr gebirgig ist, mussten auch viele Strassenviadukte gebaut werden, welche die Uferstädte miteinander verbinden.

"Wenn in China gebaut wird, dann entsteht bald einmal ein Manhattan."

"Für weniger als zwanzig Stockwerke machen die den Bagger nicht schmutzig.

Nach dem Mittagessen legen wir, wendend, am linken Ufer an, erklimmen die Stufen bis zu einer Strasse, von wo aus wir die paar Meter zur Talstation der Gondelbahn gefahren werden, die uns nach oben zur Geisterstadt bringt. Einige von uns gehen die zweihundert Meter Höhenunterschied bei vierzig Grad zu Fuss hoch; Hut ab.

Fengdu ist eine aus der Han-Dynastie stammende taoistische und buddhistische Tempelanlage. Zum Glück war die Anlage weit über dem Yangtse-Ufer gebaut worden, so dass sie erhalten blieb. Die Stadt selbst musste natürlich neu aufgebaut werden.

Für die Einheimischen ist Fengdu der Sitz des Höllenkönigs und entsprechend sind viele Höllenquallen, in Stein gemeisselt oder als Figuren in Tempeln ausgestellt, zu "bewundern".

Nach gut zwei Stunden sind wir wieder an der Gondelbahn. Wir sammeln Trinkgeld für die Führerin ein, die sich wirklich alle Mühe gegeben hat, uns die Märchen und Schauergeschichten spannend 'rüber zu bringen, obschon ich des öfteren den Eindruck hatte, als Opfer bei "Chinese - Candid camera" dazustehen.

Vor dem Nachtessen werden wir im Ballsaal vom Kapitän bei einer Welcome party begrüsst.

Zum ersten mal sehen wir jetzt die tiefstehende Sonne wirklich. Smog und Dunst weichen mehr und mehr klarer Luft.

Eigentlich wäre jetzt der Moment, um kurz per Email Kontakt mit zuhause aufzunehmen, aber hier, irgendwo auf dem Fluss, ist kein Internetempfang vorhanden und es heisst weiterhin "no news, good news".

Heute Nacht sind viele Sterne zu sehen, aber zuerst gibt es eine Märchenstunde von Alexandra. Zu vorgerückter Stunde, es ist bereits nach 23:00 Uhr, zeigt sich auch Jupiter am Osthimmel.

 

 

 

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Kurz nach dem Auslaufen aus Chongqing ist die Luft noch sehr von Smog und Dunst getrübt.

 

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Fengdu, eine der vielen weiter oben wieder aufgebauten Städte.

 

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Todsünden und Höllenqualen in Fengdu.

 

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Gute Stimmung in Gruppe Blau - schon vor der Begrüssungsparty.

 

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Willkommensparty - mit "Amuse bouche" und Sekt.

 

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Sonnenuntergang während des Abendessens auf dem Yangtse.

 

 

Fengdu ist seit der Han-Dynastie als "Tor zur Hölle" berüchtigt. Es ist heute ein beliebter Wallfahrtsort mit vielen Tempeln, in denen unter anderem der "König der Unterwelt" und die Höllenqualen dargestellt sind. Besucher können drei Prüfungen bestehen, um im nächsten Leben weniger leiden zu müssen.

 

 

Montag, 20. Juli 2009   Yangtse-Schluchten

Um 06:30 Uhr legen wir neben einem Luxus-Schiff an, um eine weitere Gruppe zusteigen zu lassen. Wiederum geniessen wir den Vorfrühstücks-Kaffee im Ballsaal.

Nach dem Frühstück hält Wolke einen sehr interessanten Vortrag über das Wasserbauprojekt an den drei Schluchten und Minuten später durchfahren wir die erste, die acht Kilometer lange Qutang-Schlucht - untermalt mit Wolkes Kommentaren und Geschichten.

Bei der Einmündung eines Seitenflusses steigen wir in einen kleineren Dampfer um und fahren durch mehrere kleinere, aber doch reizvolle Schluchten flussaufwärts. Auch hier ist allseits die Hochwassermarke durch abgespültes Erdreich zu sehen. Die Mini-Schlucht befahren wir dann in kleinen motorisierten Booten, die jeweils etwa dreissig Personen fassen. Diese Fahrt geht leider viel zu schnell zu Ende.

Beim Umsteigen in den Dampfer bekommen wir sogar einige Affen zu Gesicht, die offenbar vorhin ganz in der Nähe waren und jetzt langsam die Hänge hochziehen.

Wieder auf der Yangtse befahren wir die vierundvierzig Kilometer lange Wuxang- oder Hexenschlucht. Da wir morgen Abend nicht mehr an Bord sein werden, wird das heutige Abendessen als Abschiedsbankett kredenzt. Der Kapitän hält - standesgemäss - eine kurze Dankesrede an seine Gäste. Dann ruft ihn bald eine anspruchsvollere  Pflicht, das Befahren der Schleusenanlage am Dreischluchtenstaudamm.

Ich darf die Gelegenheit nutzen, und unserer Gruppe einige Bilder über Sonnenfinsternisse und andere Licht- und Farbenerscheinungen am Himmel zeigen.

Wir haben seit gestern alle gehofft, dass wir die Schleusen passieren können, sonst hätten wir die Yangtse bereits hier verlassen und mit einem Bus nach Wuhan fahren müssen. Der Yangtse führt heute 40'000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, also knapp weniger als die maximal 45'000 Kubikmeter, bei denen die Schleusen nicht in Betrieb gehen können.

Dem Wasserstand entsprechend steigen wir "nur" in die zweitoberste der fünf Schleusenstufen ein. Es ist wiederum sehr feucht und neblig in der Schleusenanlage.

Die Dimensionen der Schleusen bringen uns zum staunen. Wir hielten es nicht für möglich, dass die Yangtse I in die Schleuse passt, aber schliesslich hätten sogar zwei Yangtse I nebeneinander Platz gefunden. Langsam tuckern wir in die Kammer, hinter und neben anderen Schiffen, und dann schliessen sich hinter uns die Tore, beide Flügel etwa dreissig Meter hoch und zwanzig Meter breit. Kaum sind die Tore zu, sehen und hören wir, dass wir "herabgelassen" werden. Die Geschwindigkeit können wir am Wasserstand an den Seitenmauern ablesen, und hören können wir den sehr eigentümlichen Klang der Schiffe, ein Gieren und Quietschen, hervorgerufen durch Reiben aneinander und an den Seitenwänden.

Da sich das ganze noch dreimal wiederholen wird, lassen wir den Tag bei einigen Drinks zuoberst auf Deck fünf ausklingen. 01:30 Uhr, "gute Nacht".

 

 

 

Bild: img_8795_qutangschlucht.jpg

Einfahrt in die erste der drei Schluchten, die Qutang-Schlucht. Rechts erkennt man den höchsten Stand, bis zu dem der Yangste (zu Testzwecken?) schon gestaut wurde.

 

Bild: img_8879_kleine_schlucht.jpg

Zuhinterst in einer der Mini-Schluchten - hier wenden alle Touristenboote.

 

Bild: img_8902_schleuseneinfahrt.jpg

Einfahrt ins rechte Schleusentor auf die zweitoberste, der vierten Stufe des Dreischluchtenstaudammes. Was wie ein schmaler Durchgang aussieht, ist eine 36 Meter breite Öffnung. Zwei "Yangtse I" hätten nebeneinander Platz.

 

 

 

 Das Dreischluchten-Wasserbauprojekt ist das grösste Projekt seiner Art weltweit. Das Stauen des Yangtse bringt China grossen Nutzen: Die Überschwemmungen unterhalb des Dammes wird es nicht mehr geben, der Yangtse ist bis hinauf nach Chonqing schiffbar und sicherer, Energie in der Leistung von zehn Atomkraftwerken wird gewonnen und Wasser für andere Regionen Chinas wird zur Verfügung stehen.

 

 

Dienstag, 21. Juli 2009   Dreischluchten-Wasserbauprojekt - Wuhan

Über Nacht hat die Yangtse unterhalb des Dammes geankert, damit wir als Tagesausflug den Staudamm und die ganze Anlage besichtigen können. Wir fahren mit dem Bus über die Brücke ans linke Ufer, passieren einen Sicherheits-Check und werden dann auf die einen Quadratkilometer grosse Parkanlage gebracht, von wo aus man eine gute Aussicht auf den Damm hat. China zeigt hier wie andernorts, wie es gemacht wird: Statt sich in Geheimniskrämerei zu verstecken wurde diese sehr schöne Parkanlage gebaut, welche viele Touristen anzieht und mit dem Eintrittsgeld einen Teil der immensen Investitionen wieder einbringt. Wang, der schon als Guide auf der Yangtse arbeitete, ist hier (als Ingenieur) in seinem Element. Es ist eine Freude, seinen lebhaften Erläuterungen zuzuhören. Das ganze Projekt ist zu neunundneunzig Prozent fertiggestellt; lediglich das Schiffshebewerk muss noch gebaut werden.

Um 10:30 Uhr sind wir wieder auf dem Schiff und fahren, quasi zum Abgewöhnen, durch den östlichsten Teil der Xiling-Schlucht, der untersten der drei Schluchten. In Yichang heisst es von der Yangtse I , Wang und Wolke Abschied nehmen und ausschiffen. Unsere drei Gruppen gehen ein kurzes, aber steiles Stück nach oben zu Fuss zu den Bussen, wohin das Gepäck mit Kleinfahrzeugen hochgebracht wird.

Wir fahren ein Stück zu einem Supermarkt, um Getränke und etwas Essbares für die Weiterfahrt nach Wuhan einzukaufen.

Dort angekommen werden wir zum feinen Restaurant Zizi Sanliuwu gefahren. Dies scheint eine gediegene Adresse zu sein.

Die nächsten zwei Nächte werden wir im Hotel Howard Johnson verbringen. Um 20:15 gibt es ein Briefing für den grossen Tag morgen. Alle sechs Reisegruppen von Wittmann-Travel treffen sich im Auditorium des Hotels. Da die Fahrt zum Beobachtungsort etwa eine Stunde dauern wird, werden die Reisegruppen nach benötigter Vorbereitungszeit für die Finsternisfotografie eingeteilt. Ich will natürlich möglichst früh vor Ort sein und melde mich für die Abfahrt um 05:00. Andreas wird den Bus um 05:30 nehmen und Susi den um 06:00 Uhr.

Vor dem Schlafengehen bereite ich meine Stative vor und schraube die Montageplatte für das Fotografieren des Flash-Spektrums zusammen.

 

 

 

Bild: img_9179_dam.jpg

Aussicht über den Damm. aufgenommen von der höchsten Stelle im Besucherpark.

 

Bild: img_9158_schleuse.jpg

Eine der fünf Schleusenstufen. Im Vordergrund ist der oberste Teil eines Torflügels mit der Hydraulik zu sehen.

 

Bild: img_9198_halo.jpg

Ein prächtiger 22°-Halo um die Sonne. Einen Tag zu früh?.

 

Bild: img_9202_benno_peter.jpg

Benno und Peter geniessen die Fahrt durch die Xiling-Schlucht.

 

Bild: img_9211_xilingschlucht.jpg

In der Xiling-Schlucht.

 

Bild: img_9269_abendstimmung_wuhan.jpg

Abendstimmung in Wuhan. Wolken bilden ein blau-rotes Muster am Himmel.

 

 

 

Mittwoch, 22. Juli 2009   Die Sonnenfinsternis bei Wuhan

04:15 ertönt der Weckruf für mich. Susi darf noch eine Stunde weiterschlafen. Ich packe meine Tasche und bringe sie zum Bus. Wenn wir nur rechtzeitig losfahren können und nicht auf säumige Penner warten müssen. Es gibt für alle Passagiere eine Tüte mit Imbiss, aber ich habe im Moment überhaupt keinen Appetit. Tatsächlich fahren wir - nur zwei Minuten verspätet - los und erreichen um 06:00 Uhr den Betrieb am Westufer eines kleinen Sees nördlich der Metropole. Das Wetter könnte besser sein!!! Aber auch schlechter!!! Die Bewölkung scheint zuzunehmen. Als erstes platziere ich die bereits zu hause vorprogrammierten Temperatursonden an der Schattenseite eines Strommastes. Den einen in zwei Metern Höhe, den andern am Boden, so dass der Sensor etwa in 5 Zentimetern zu liegen kommt.

Dreissig Minuten später kommt Andreas und mit der letzten Fahrt ist auch Susi und all die anderen Wittmänner vor Ort. Wir haben einen idealen Standort, viel Platz und Stühle sind auch genügend organisiert worden. Joachim stellt seine Geräte auf und die "Fotografen" sind alle emsig bei der Arbeit. Einige, die eher die Ruhe lieben, platzieren sich etwas weiter entfernt.

Die partielle Phase beginnt - Schäfchenwolken überziehen praktisch den ganzen Himmel. Zum Fotografieren der partiellen Phase können diese feinen Wolken eine reizvolle Stimmung erzeugen, aber für die Totalität sollten sie dann schon verschwunden sein. Sollten - denn die Wolken bewegen sich äusserst langsam und werden durch neue Aufquellungen gleich wieder ersetzt. Es ist klar, das Wolkenloch etwas weiter nördlich wird es nicht rechtzeitig zu uns schaffen, aber was soll's? das letzte Wort haben nicht wir.

Noch fünfzehn Minuten bis zur Totalität: Ich schalte Patricks Videokamera an, die ich auf ein kleines Stativ auf einen Stuhl setze - mit Blick zu unseren Frauen und dem relativ unifarbenen Betonboden davor, damit sich eventuelle fliegende Schatten aufnehmen lassen.

Dann versuche ich Brunos Digitalkamera in Betrieb zu nehmen, die alle fünf Sekunden den als Reflektor dienenden Deckel des Abfalleimers, auf dem sich der ganze Himmel spiegelt, fotografieren soll. aber das Ding, welches sich vor einer Stunde noch problemlos programmieren liess, streikt und lässt nur Zehnsekunden-Intervalle zu. Verzweifelt versuche ich es immer und immer wieder, bis die Totalität schon begonnen hat und Judith mich anweist, doch mal zum Himmel zu schauen!

Konsterniert starte ich die Kamera halt in diesem Modus, wobei ich, wiederum genervt, feststellen muss, dass jetzt jedes mal der Blitz ausgelöst wird! Also nochmals: Ausschalten, einschalten, Blitz ausschalten, Kamera über das Menu in den Videomodus bringen, Zehnsekundenintervall auswählen, auslösen. Endlich. Und das bei relativ grosser Dunkelheit.

Zum Glück habe ich mir nicht noch mehr vorgenommen, sondern kann jetzt gemütlich die Sonne beobachten und Venus, fast im Zenit, problemlos erkennen. Anderes Gestirn ist nicht zu erkennen, dafür sind die Wolken zu dicht. Zwar sieht man die Korona immer, aber nie ganz. Daraus etwas Brauchbares fotografisch festzuhalten wird sehr schwierig werden.

Ich bin in der Zwischenzeit bei meiner Canon mit dem Glasprisma vor dem 200er Objektiv und bereit, auf das Flash-Spektrum beim dritten Kontakt zu warten. Ich sehe durch den Winkelsucher, dass sich im Bild viele helle und durch die Wolken bedingten verschmierte Spektren finden und so bin ich zuversichtlich, dass ich die Sonne dann im entscheidenden Moment im Bild haben werde. Jetzt nur nichts mehr verstellen und einfach hoffen, dass alles, die Belichtung und der Fokus, funktionieren.

Wow, da sind sie, die vielen farbigen Bögen - auslösen - auslösen - auslösen - auslösen. Elfmal drücke ich ab. Freudenschreie, Erleichterung - es ist geschafft. Schon ein Blick auf dem Monitor zeigt, dass die automatische Belichtung und der Fokus sauber funktioniert haben und dass ich einige scharfe Spektrallinien erwischt habe. Wie (für mich) unglaublich viele Linien abgebildet sind, zeigt sich schon kurze Zeit später, als ich in den Spektren herumzoome.

Der überaus deutliche Diamantring beim dritten Kontakt entschädigt viele von uns für das nicht ganz perfekte Wetter. Es hätte zwar schöner, aber auch viel schlechter sein können. Joachim wird uns heute Abend als die "Glücklichen unter den Unglücklichen" bezeichnen.

Während der partiellen Phase sind schon viele Beobachter und Fotografen beim Zusammenpacken - ein Phänomen, das ich jedes Mal erlebe. Die partiellen Phasen werden äusserst asymmetrisch wahrgenommen. Bei neunundneunzigprozentiger Sonnenabdeckung unmittelbar vor der Totalität ist die (An)spannung und Aufregung maximal  und jede falsche Bemerkung könnte sofort zu Aggression führen - nach der Totalität sieht die Welt soooo friedlich aus ...

Nach etwa fünfzehn Minuten stelle die Videokamera und Brunos Kamera ab. Die Videokamera werde ich erst zu Hause wieder einschalten, da ich keine brauchbare Information, ausser vielleicht interessanten Kommentaren aufgenommen zu haben glaube.

Die Zehnsekundenintervalle auf Brunos Kamera schaue ich mir kurz an. Die sind zwar einigermassen gut aufgenommen worden, aber ich hätte halt schon gerne Fünfsekundenintervalle, und natürlich auch den Beginn der Totalität mit drauf gehabt. Na ja, "NACH der Finsternis ist VOR der Finsternis"

Erst jetzt habe ich Lust auf das Essen, das wir als Lunchpaket mitbekommen haben. Und nach dem Ende der partiellen Phase steht schon bald Bier und Sekt, wer immer das hergezaubert hat, vielen Dank, zur Verfügung und wir können auf die Finsternis anstossen.

Es werden dann noch die verschiedenen Gruppenbilder gemacht und ich hole meine Temperatursonden und verstaue sie in ihrer Box. Die Daten werde ich ohnehin erst zu Hause auslesen und auswerten können.

11:30. Es ist jetzt deutlich wärmer geworden (35 Grad) und die Sonne scheint aus einer fast wolkenlosen stelle am Himmel, dem nördlichen Wolkenloch von heute Morgen. Zwei Stunden später hätten wir eine perfekte Finsternis erlebt. Wir fahren in ein einfacheres Restaurant nicht weit von hier, dann geht's zurück nach Wuhan, wo wir bis zum Abendessen frei sind. Diese freien Stunden nach einer Finsternis sind für mich sehr wichtig, um Körper und Geist vom emotionalen Stress zu entspannen.

Im Laufe des Nachmittags treffen sich einige Blauen im neununddreissigsten Stock des Hotels in der Sky-Lounge zu Kaffe- und Gebäckkreationen, offeriert von Gert und Erwin. Einmal mehr, vielen Dank.

Um 18:30 Uhr fahren dann alle sechs Wittmann-Gruppen ins "Zizi Sanliuwu", wo das festliche Nachtessen von vier Frauen an klassischen chinesischen Instrumenten begleitet wird. Ralf verdankt mit Geschenken seine Reiseleiter und Leiterinnen, die wirklich grossen Applaus verdienen.

 

 

 

Bild: img_9283_vorbereitung.jpg

Carolin und Matthias bei den Vorbereitungen zur Finsternisfotografie ...

 

 

Bild: dscn0263_vorbereitung_sofi.jpg

 

Bild: img_5285_vorbereitung_sofi.jpg

 

Bild: dscn0265_vorbereitung_sofi.jpg

 

Bild: dscn0287_erwin.jpg

... und all die andern.

 

 

Bild: EPSN0050_totalitaet.jpg

Projizierte Himmelsansicht unmittelbar nach dem zweiten Kontakt.

 

Bild: flash_spektrum3_original.jpg

Originalbild des Flash-Spektrums beim 3. Kontakt.

 

Bild: dscn0287_flashspektrum_setup.jpg

Das Setup für das Fotografieren des Flash-Spektrums: Vor das 200 mm Objektiv ist ein gleichseitiges 60° Prisma (Kantenlängen 6 cm) aus Glas gespannt.

 

Bild: flash_spektrum_excel.jpg

Die Interpretation einiger Emissionslinien im Flash-Spektrum beim 3. Kontakt wurde gemäss der automatisch erzeugten Linien-Tabelle in http://www.eurastro.de/spectro/tse08/DADOS/flashdados.htm, Autor: Manfred Rudolf, vorgenommen.

 

 

Bild: dritter_kontakt_szenerie.jpg

Projizierte Himmelsansicht nach dem 3. Kontakt. Der Kernschatten hat eben die Sonne wieder freigegeben und entfernt sich Richtung Osten (in der unteren Himmelshälfte)

 

Bild: himmelsfotografie_setup.jpg

Das Setup für die Himmelsfotografie: Die Kamera im Vordergrund fotografiert eine verspiegelte Kugelfläche, den Schwingdeckel eines Abfalleimers...

 

Bild: kernschatten_collage.jpg

Sequenz des sich entfernenden Kernschattens. Intervall 20 Sekunden.

 

 

 

 

Figur 1
Temperaturverlauf während der Finsternis an unserem Beobachtungsort nordöstlich von Wuhan. Die schwarze Kurve zeigt die Messung in zwei Metern Höhe, wie es in der Meteorologie üblich ist. Durch die Bewölkung während der ganzen Finsternis ist der Temperaturabfall geringer als bei schönem Wetter; nur etwa zwei Grad Celsius.
Die grösser werdenden Amplituden gegen Ende der Finsternis sind durch die zunehmende Thermik bedingt.
Die orange Kurve zeigt den Temperaturverlauf direkt am Boden (5 cm Höhe).
Die Zeitangaben auf der x-Achse sind in Universal Time (UT). Lokalzeit in Wuhan ist UT + 8 Stunden.

 

 

 

 

Figur 2
Feuchtigkeitsverlauf während der Finsternis an unserem Beobachtungsort nordöstlich von Wuhan.

 

 

 

Bild: dscn0293_gruppe_gruen_suedostchina.jpg

Die grüne Gruppe der Südostchina-Reise, astronomisch begleitet von Ronald Stoyan (rechts).

 

Bild: img_9334_konzert.jpg

Die Reiseleiter und Leiterinnen werden während des Konzerts beim Abendessen verdankt.

 

 

 

Donnerstag, 23. Juli 2009   Wuhan - Nanjing

Für den heutigen Flug dürfen wir wiederum das Gepäck bis vor 08:00 Uhr vor die Zimmertür stellen. Über eine der Brücken, die wir gestern Nachmittag von hoch oben sahen, fahren wir zur Pagode des gelben Kranichs. Vor fast zweitausend erbaut, wurde die Pagode mehrmals durch Feuer oder mutwillig zerstört. Die heutige Pagode ist ein "Neubau" aus dem zwanzigsten Jahrhundert und wurde nach Zeichnungen aus dem siebzehnten Jahrhundert gebaut. Von hier aus haben wir einen sehr guten Überblick über die Stadt Wuhan mit "unserem" Hotel mit der Goldkugel, der Sky-Lounge. In der Pagode, die in einer schönen Parkanlage mit einer zweitausendjährigen Glocke steht, sind unter anderem Modelle früherer Konstruktionen ausgestellt.

Zum Mittagessen fahren wir ein Hotel, dessen Esssaal einem Theaterraum gleicht.

Der nächste Programmpunkt ist ein Besuch im Museum der Provinz Hubei. Wir besuchen nur einen Flügel, der aber hat prächtige Exponate zu bieten, viele davon aus dem Grab Zeng Hou Yis aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert. Als Sensation gilt das grosse Glockenspiel aus Bronze. Auf einer Nachbildung dieses Spiels werden täglich Konzerte gegeben, was auch wir uns nicht entgehen lassen.

Nach einer Kaffeepause im Museum fahren wir zum Flughafen. Heftiger Regen setzt ein. Wiederum brauchen wir nur die Pässe vorzuweisen und schon bekommen wir die Bordkarten. Mit einer Stunde Verspätung starten wir nach Nanjing.

Zu essen gibt es nichts mehr im Hotel, aber einige von uns treffen sich noch an der Bar, um den Tag ausklingen zu lassen.

 

 

Bild: img_9337_sky_lounge.jpg

Die weithin sichtbare Sky-Lounge des Howard Johnson Hotels in Wuhan.

 

Bild: img_9349_pagode.jpg

Die Pagode des gelben Kranichs in Wuhan.

 

Bild: img_9363_relief.jpg

Relief bei einem Gartenweiher, das die Geschichte des Kranichs erzählt.

 

Bild: img_9372_essen_wuhan.jpg

Gemeinsames Mittagessen in Wuhan.

 

Bild: img_9394_glockenspiel.jpg

Grosses Glockenspiel im Museum der Provinz Hubei.

 

 

Bild: img_9387_exponat.jpg

 

Bild: img_9388_exponat.jpg

Exponate im Museum: Schüsseln und Weinbehälter.

 

 

Bild: img_9404_konzert.jpg

Konzert mit dem grossen Glockenspiel im Museum der Provinz Hubei.

 

 

 

Die Pagode des gelben Kranichs befindet sich auf dem Schlangenberg am östlich Yangtse-Ufer. Ursprünglich in der Han-Dynastie als Wachturm gebaut, verlor er mit der Zeit diese Funktion und wurde mehr und mehr zu einem Tempel, der die Dichter inspirierte. Mehrmals zerstört oder abgebrannt und wieder aufgebaut, bekam er seine heutige Form in den 1980er Jahren.

 

 

Freitag, 24. Juli 2009   Nanjing - Observatorium - Mausoleum Sun Yatsens

Zuerst fahren wir zur alten Stadtmauer, die noch in Resten vorhanden ist. Von der acht Meter breiten Mauer bietet sich eine schöne Rundumsicht ins moderne Nanjing. In einem Hof gleich unter der Mauer über Rekruten das Salutieren und militärischen Gehorsam, was Andreas sogleich Anlass gibt, mir den "Chinesischen Restsatz" zu erklären.

Als astronomischer Leckerbissen folgt die Fahrt zu den Purpurbergen mit dem "Purple Mountain Observatory", das in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts den Betrieb aufnahm und in dem auch heute noch geforscht wird. Hier steht auch eine grosse Armillar-Sphäre, wie wir sie in Peking zu sehen bekamen. Als Besucher haben wir nur Zugang zu einer Kuppel, in der ein arg vernachlässigtes Instrument auf liebevolle Pflege und Wiederinstandstellung hofft.

Für das Mittagessen werden wir zum Park gefahren in dem das Mausoleum Dr. Sun Yatsens steht, dem Gründer der chinesischen Republik. Zuerst wollen aber Hunger und Durst gestillt sein.

Das in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts gebaute Mausoleum steht in einer grossen bewaldeten Parkanlage und wir erreichen es über fast vierhundert Stufen. Im Vorraum befindet sich eine Statue des sitzenden Sun; der Steinsarg ist im  hinteren Raum mit rundem Deckengewölbe ausgestellt. Noch etwas weiter oben am Hang, gleich hinter dem Mausoleum, spaziere ich kurz durch den "Dunklen Garten".

Wieder  zurück im Hotel, treffen wir uns nach einer kurzen Erfrischungspause und spazieren durch die Altstadt Nanjings, wo sehr viel los ist. Es ist ja auch Freitag, später Nachmittag. Nach einem Bummel durch enge Verkaufsgässchen treffen sich einige "Blaue" um 19:45 Uhr vor der amerikanischen Botschaft, wie hier die Mc Donalds genannt werden. Allerdings futtern wir nicht schnell, sondern suchen etwas kultivierteres im ersten Stock eines "Cafes". Mit viel Lächeln und Handzeichen bekommen wir ein feines, richtiges chinesisches Essen, das wir mit einem Schnaps aus Hirse, Weizen, Gerste und Erbsen abrunden.

23:00 Uhr - Alexandra gibt die letzte Märchenstunde und "Triple-B" (Benno Benelli, Burgdorf) zeigt einige Kartentricks.

 

 

 

Bild: img_9451_stadtmauer_nanjing.jpg

Blick von der Stadtmauer in Nanjing.

 

Bild: img_9461_pagode_nanjing.jpg

Nochmals ein Blick von der Stadtmauer.

 

Bild: img_9491_kuppeln.jpg

Kuppeln des Purple Mountain Observatory in Nanjing.

 

Bild: img_9475_himmelsglobus.jpg

Alter Himmelsglobus - für uns praktisch nicht zu gebrauchen, da wir andere "Sternbilder" gewöhnt sind.

 

Bild: img_9480_drachenausschnitt.jpg

Kopie der Armillar-Sphäre aus der Ming-Dynastie.

 

Bild: img_9525_treppe.jpg

Die Stufen unterhalb des Mausoleums Dr. Sun Yatsens.

 

Bild: img_9524_dr_sun_yatsen.jpg

Denkmal für Dr. Sun Yatsen.

 

Bild: img_9562_shoppen.jpg

Shopping in der Altstadt Nanjings.

 

Bild: img_9581_fluss_nanjing461_pagode_nanjing.jpg

Beim Fluss an der Flaniermeile - zwischen Kitsch und Kunst.

 

Bild: dscn0310_schnaps.jpg

Nur Hirse, Weizen, Gerste und Erbsen ...

 

Bild: img_9535_lobby_hotel_mandarin_garden.jpg

Lobby des Hotels Mandarin Garden in Nanjing.

 

 

 

Das Mausoleum Sun Yatsens erinnert an der ersten Präsidenten der chinesischen Republik und Mitbegründer der Nationalen Volkspartei Kuomintang.

Das Observatorium Nanjings, „Purple Mountains Observatory“ oder kurz PMO genannt, wurde 1929 erbaut und ist das erste chinesische, der Akademie der Wissenschaften unterstellte astronomische Institut. Hier wurden schon viele Kleinplaneten und auch drei Kometen entdeckt. Für Besucher zugänglich sind aber nur die Parkanlagen mit den antiken Bronzeinstrumenten.

 

 

Samstag, 25. Juli 2009   Shanghai

Heute geht es per Zug nach Shanghai. Wir können ausgiebig frühstücken, da die separat reisenden Koffer bereits vor der Tür stehen und für uns aus den Augen, aus dem Sinn sind. Der moderne Bahnhof gleicht einem Flughafenterminal und ist so ziemlich an der Grenze des Fassungsvermögens. Wir passieren einen Security Check, Gedränge, Gedränge, und gelangen zum Zug, zu unserem Wagen 1 der Kombination - natürlich längst vorbestellt. Die Bestuhlung ist extrem bequem und die zweieinhalbstündige Fahrt geht viel zu schnell zu Ende. Da sind wir nun - an der letzten Station unserer Reise - in einer der aufstrebendsten Millionenmetropolen der Welt.

Unser letzter örtlicher Führer heisst Ding. Wir fahren zum Mittagessen in ein - modernes, aber das muss man nicht mehr erwähnen - Einkaufszentrum und bemerken sofort, dass hier im Osten Chinas viel weniger scharf gekocht wird als im Westen. Vielleicht auch deshalb schmeckt uns allen das Essen sehr.

"Hinauf auf den Turm" heisst es nach dem Essen, als wir ins Bankenzentrum Pudong fahren: In fünfundvierzig Sekunden sind wir mit dem Expresslift im 88. Stock des heute zweithöchsten Gebäudes Chinas. Dabei spüren wir die Beschleunigung nicht sonderlich. Diese Etage ist als Aussichtsplattform konzipiert und beherbergt neben Boutiquen Chinas höchste Poststelle über Grund. Endlich gibt es Briefmarken zu kaufen. Postalisches dieser Reise meinerseits kommt von hier. Der Innenraum des Gebäudes ist bis hinab zur 52. Etage hohl und man kann hinunter schauen, bis auf die Lobby des Grand Hyatt Hotels - 32 Stockwerke tiefer.

Nach dem Einnachten fahren wir zu einer Brücke, von wo aus man einen sehr guten Ausblick auf Pudong hat, und dann spazieren wir mit Song durch ein verziert beleuchtetes Altstadtviertel, dort wo bei Einheimischen wohl die Party abgeht.

Susi und ich sind dann zu müde, um noch etwas zu essen.

 

 

Bild: dscn0343_zug.jpg

Wagen 1 unserer Zugskomposition von Nanjing nach Shanghai.

 

Bild: img_9606_jinmao.jpg

 

Bild: img_9646_fernsehturm.jpg

 

Bild: img_9602_world_financial_center.jpg

Shanghai: Jinmao Tower (421 m), Fernsehturm (462 m), Shanghai World Financial Center (492 m).

 

Bild: img_9637_grand_hyatt_lobby.jpg

Jinmao Tower: Blick hinunter zur Lobby des Grand Hyatt Hotels - 32 Stockwerke tiefer.

 

Bild: img_9631_wolkenktratzer.jpg

Blick aus dem Jinmao Tower - hinunter zu fünfzig Stockwerke kleinen Wolkenkrätzerchen.

 

Bild: img_9675_pudong.jpg

Pudong, Shanghais modernes Finanzviertel. In der Mitte im Hintergrund der Jinmao Tower und das Shanghai World Financial Center  -  der "Flaschenöffner".

 

Bild: dscn0361_shanghai_altstadt.jpg

Beim nächtlichen Flanieren in einem Altstadtviertel Shanghais.

 

 

Der Jinmao Tower, was „goldenes, prachtvolles Haus“ bedeutet, wurde 1994-1998 gebaut und war bis 2008 das höchste Gebäude Chinas. Er wurde nach traditionellen chinesischen Formen gebaut, die an eine Pagode erinnern sollen. Die Glückszahl acht wurde mit den achtundachtzig Stockwerken ebenfalls berücksichtigt. In den unteren fünfzig Stockwerken sind Büros untergebracht, die oberen achtunddreissig Stockwerke bilden das Grand Hyatt Hotel.

Pudong ist ein modernes Finanz- und Hightech-Viertel in Shanghai, mit dessen Aufbau erst 1990 begonnen wurde. Die Bebauung geht aber äusserst rasant zu: Bereits heute hat Pudong über sechshundert Wolkenkratzer und bald werden es deren tausend sein.

 

 

Sonntag, 26. Juli 2009   Shanghai - Jade-Buddha-Tempel - Yuyuan-Garten

Viel Zeit zum Frühstücken ... zwei Reisende einer anderen deutschen Reisegruppe erzählen, dass sie die Finsternis hinter leichter Bewölkung auch gesehen haben. Also gibt es noch mehr Glückliche.

Wir besuchen eine Tempelanlage, deren Stolz ein zwei Meter grosser Jade-Buddha ist. Wie überall mischen sich Touristen mit Betenden, was die Menschen hier wohl gewöhnt sind. Viele Gläubige zünden kleine Bündel von Hölzern oder Räucherstäbchen an und verbeugen sich in die vier Himmelsrichtungen.

Um Souvenirs aus der Altstadt zu kaufen, begeben wir uns wieder ans gleiche Viertel wie gestern Nacht und bekommen Zeit, um das Viertel bei Tageslicht zu durchschlendern. Wiederum herrscht grosses Gedränge, aber ausser dass es sehr viele Menschen hat, ist es sehr angenehm, dem Treiben zuzuschauen.

Das Mittagessen ist auch das letzte, das die drei Wittmann-Gruppen zusammen einnehmen.

Wer richtig shoppen will, kommt jetzt auf seine Kosten (ist wörtlich gemeint). wir fahren zur Nanjing Road, der modernsten Einkaufsmeile in Shanghai. Von billig bis extrem teuer ist hier alles zu bekommen. Wir drei haben nichts zu kaufen im Sinn und geniessen es einfach, so zu tun, als wären wir mögliche Kundschaft. Dazu gehen wir in einen der Kauftempel und schauen uns - zum Beispiel Uhren an. Das ganze schweizerische Hochpreis-Segment scheint hier erhältlich zu sein - beeindruckend - die Preise...

Als wir uns wieder treffen, geht es - als letztes Pflichtprogramm - in eine Seidenproduktionsstätte, natürlich mit grossem Verkaufsraum. Hier wird, was wirklich sehr interessant ist, gezeigt, wie einzelne Seidenfäden aus den Kokons gewonnen und auf Spulen aufgewickelt werden. Die junge angestellte Chinesin, die sich unser annimmt, hat wirklich viel Talent für ihren Beruf. Alexandra darf sich, so unser Dankeschön, etwas aussuchen.

Wieder im Hotel bereitet sich Gert darauf vor, einige der besten Finsternisbilder aller Teilnehmer zu einer Show zusammenzustellen. Wir waren schon Tage zuvor darum gebeten worden, unsere Beiträge beizusteuern. An dieser Stelle Danke an Gert und Tanja für diese Arbeit.

Alexandra hat mitbekommen, dass der Cirque du Soleil in der Stadt sei und wir günstig zu guten Sitzplätzen kommen könnten. Also fahren die Interessierten um 19:00 Uhr hin zur Shanghai Circus World, einer fest installierten Zirkusanlage. Cirque du Soleil war wohl ein Missverständnis, aber das Programm ist doch sehenswert, mit viel Ästhetik und Artistik auf hohem Niveau. Schade, dass das Programm durch eine Motorrad-Nummer in einer Kugel abgeschlossen wird. Ohne dieses Finale könnte man fast von einer guten Kopie des Cirque du Soleil sprechen.

Wieder im Hotel beginnt das letzte gemeinsame Treffen im Konferenzsaal  im zwölften Stock, und nach einigen Verdankungen zeigt Gert die Show mit den Aufnahmen von und um die Finsternis.

Und dann, zu sehr vorgerückter Stunde, treffen wir uns in der Bar, um den letzten gemeinsamen Abend ausklingen zu lassen.

 

 

Bild: img_9674_buddha.jpg

Im Jade-Buddha-Tempel.

 

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Löwen vor einem Tempeleingang.

 

Bild: img_9701_yu_garten.jpg

Im Yuyuan-Garten.

 

Bild: img_9712_moebel.jpg

Möbel aus der Ming-Zeit (im Yuyuan-Garten).

 

Bild: img_9774_nanjing_road.jpg

Nanjing Road, die grösste Einkaufsmeile im modernen Shanghai.

 

Bild: img_9786_seidenfabrik.jpg

In der Seidenfabrik. Hier werden einzelne Seidenfäden auf Spulen gewickelt.

 

 

 

Montag, 27. Juli 2009   Heimreise (Shanghai - Frankfurt - Basel)

Da wir "Blauen" als letzte der drei Gruppen abfliegen werden, können wir sehr gemütlich frühstücken. Die Koffer sind wiederum bereits am Flughafen, wo sie diesmal auf uns warten müssen - leider.

Als letztes versprochenes Highlight der Reise gilt die Fahrt mit dem TransRapid, dem einzigen funktionierenden, eigentlich deutschen System. Wir haben wiederum Glück (natürlich ist es nicht Glück, sondern perfekte Organisation), und unsere Fahrt liegt in einem Zeitfenster, in dem die Magnetschwebebahn mit 431 km/h fährt und nicht nur mit 300 km/h. Ding ist auf der Fahrt auch unter uns und schleust uns dann am Flughafen zielsicher zu einem Gruppen-Check-in, vorbei an langen Warteschlangen.

Vielen Dank, Ding, und alles Gute.

Da sind wir nun, bereit das Land, in dem wir so viele interessante und schöne Eindrücke gewonnen haben, zu verlassen. Ach ja, da fand doch irgendwann eine Sonnenfinsternis statt, nicht?

Die letzten Yüan bleiben hier, eingetauscht gegen Souvenirs oder Nudeln im kleinen Restaurant oben in der Abflughalle.

 

"Flight LH729 is now ready for boarding ..."

 

Zehn Stunden später, um 18:00 Uhr in Frankfurt: Wieder hat alles geklappt, die Koffer sind da ... Es heisst  Abschied nehmen ... der fliegt noch nach Hamburg, der nach München, der nach Brüssel ... und wir haben noch vier Stunden Zugfahrt nach Basel vor uns. Aber zuvor genehmigen wir uns erst mal einen feinen Kaffee, denn Zeit haben wir genug ...

 

 

 

Bild: img_9799_431kmh.jpg

Das letzte Highlight: Mit 431 km/h sausen wir im Transrapid in wenigen Minuten zum Flughafen.

 

 

 

Epilog

Wir sind wieder zuhause - eine eindrückliche Reise ist zu Ende und nur noch in unseren Köpfen und Herzen als Erinnerung vorhanden. Für uns ist es kaum vorstellbar, wie eine solch komplexe Reise für - mit den Kurzreisenden - über hundertfünfzig Teilnehmer so perfekt organisiert werden kann! Wir gratulieren Ralf Wittmann und Joachim Biefang, sowie den weiteren Mit-Organisatorinnen für diese grossartige Leistung.

Die Organisation ist das eine, die Durchführung das andere. Und hier wollen wir uns aufs herzlichste bei unserer  Begleiterin Alexandra bedanken. Vom ersten Augenblick des Kennenslernens im Münchner Flughafen an war uns klar, dass sie ein "treuer Border Collie für ihre Schäfchen" sein würde - mit und ohne Märchen.

Am allernächsten aber ist man bei den Mitreisenden, die aus gleichen oder ähnlichen Interessen eine solche Reise buchen, in unserem Fall die "Klassische Gruppe Blau". Euch allen danken wir für die vielen schönen Momente - es ist herrlich, euch kennen gelernt zu haben.

 

... und wer weiss, die nächste Finsternis kommt bestimmt ...

 

 

Hinweis zum Copyright:
Die Rechte der Bilder und Videos in diesem Bericht sind bei den jeweiligen Autoren: Robert Nufer, Therwil (Schweiz)

 

Webseiten:
Robert Nufer    http://RobertNufer.ch