Transsibirische Eisenbahn und Tibet - Dach der Welt 2011

 

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Robert Nufer und Manfred Grünig

 

 

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Ferien 2011: Manfred, Verena, Susi und ich waren vier Wochen unterwegs - die ersten Tage im Zug von Basel nach Moskau und dann mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Beijing. Dort schlossen wir uns der kleinen Reisegruppe um Dr. Carl-Hellmut Hoefer an und besuchten die wichtigsten heiligen Städte Osttibets; wir fuhren auf der weltweit höchstgelegenen Zugstrecke nach Lhasa, der Residenzstadt der Dalai Lamas; wir durchquerten einen grossen Teil Tibets und beendeten - nach einer Nacht am Fusse des Mount Everest - unsere Reise mit dem Besuch einiger hinduistisch-buddhistischer Stätten in Nepals Hauptstadt Kathmandu.

 

 

Zusammengestellt und organisiert wurde die Reise von

Hans Wettstein und seinem Team von

INSIGHT-REISEN, Zürich

 

 

Geleitet wurde die Studienreise "Tibet - Dach der Welt" ab Beijing von

Dr. Carl-Hellmut Hoefer - "Carl"

 

 

 

 

 

Google Earth-Datei mit Wegpunkten der Reise

Auf Computern mit installiertem Google Earth kann
dieser Link angeklickt werden. Google Earth wird dann
gestartet und es erscheint eine Liste unserer Wegpunkte.

 

 

Teil 1: Basel - Moskau - Beijing

 

 

1. Tag: Freitag, 8.Juli 2011

Zug Basel – Moskau

Unsere diesjährigen Ferien beginnen um 18:26 Uhr auf Gleis 3 im Bahnhof Basel SBB. Der City Night Liner D472 besteht aus fünf Wagen nach Kopenhagen sowie einem weissrussischen Schlafwagen nach Minsk und „unserem“ russischen Schlafwagen nach Moskau. Wir gehen gleich in den Speisewagen zum Abendessen, während der Zug die Rheinebene durchquert. Wir geniessen das sehr gute Essen, wissen wir doch, dass wir auf dieser einmonatigen Reise vielleicht auch einmal weniger Schmackhaftes kosten müssen. Mit Bier stossen wir auf ein gutes Gelingen dieser grossen Reise an. Die uns begleitenden Nebensonnen betrachten wir dafür als gutes Omen. Dann wird es Zeit, die Betten zu machen.

 

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Beginn der Reise im Nachtzug Basel - Moskau.

 

 

 

 

2. Tag: Samstag, 9.Juli 2011

Zug Basel – Moskau

In Hannover, mitten in der Nacht, wird unser Zug getrennt. Der eine Teil mit dem Speisewagen, reist in Richtung Norden weiter, der andere, mit uns, nach Osten. In Berlin erwachen wir und stellen mit Erleichterung fest, dass ein polnischer Bistrowagen angehängt wird. Wir geniessen Kaffee und Rührei aus Wegwerfgeschirr im Stehen, denn Sitzplätze gibt es keine. Warschau kurz nach elf, dann eintönige Landschaft. In der Meinung, dass der Bistrowagen über Warschau und die Mittagszeit hinaus mitfährt, haben wir auf den Kauf von Verpflegung auf den Bahnsteigen der Unterwegsstationen verzichtet und kommen entsprechend hungrig im polnischen Grenzort Terespol an.

Erste Passkontrolle, denn wir verlassen den Schengen-Raum. Einige Meter weiter östlich - in der weissrussischen Grenzstadt Brest - werden die Drehgestelle aller Wagen gewechselt, da die Spurweite in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und der Mongolei nicht 1435 mm wie in den meisten europäischen Ländern und China beträgt, sondern 1520 mm. Das Ganze dauert – zusammen mit den zeitraubenden Einreiseformalitäten - über drei Stunden, während derer wir mehrmals ruckartig hin- und hergeschoben werden.

Vergeblich hoffen wir auf das Beistellen eines Speisewagens. Dann plötzlich laute Rufe "Chicken, Blinis, Beer". Etwa ein Dutzend Frauen „entern“ die Wagen und bieten Selbstgemachtes sowie Getränke zu happigen Euro-Preisen an, wohl wissend, dass viele Reisende längst Hunger haben und keine Konkurrenz zu fürchten ist. Unsere in Zeitung eingewickelten Pouletschenkel und die Blinis schmecken wirklich lecker, die Beeren zum Dessert sind allerdings nicht mehr geniessbar.

 

 

 

3. Tag: Sonntag, 10.Juli 2011

Moskau

Der Zug rattert nun deutlich lauter als in der Eurozone. Wir sind bereits in Russland, als wir aufstehen. Dank der Zollunion zwischen Russland, Weissrussland (Belarus) und Kasachstan finden zwischen diesen Ländern keine Pass- und Zollkontrollen mehr statt. Schon weit vor Moskau reihen sich Plattenbauten aneinander. Mit einer Stunde Verspätung erreicht der Zug den weissrussischen Bahnhof (Moskva Belorusskaja) um halb elf Uhr. Wir werden mit einem Namensschild abgeholt und im Kleinbus ins Hotel Ismailowo Vega gefahren, etwa zehn Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums. Einchecken, duschen und Mittagessen. Das heisst, auf der Menükarte Bilder auswählen, da wir nicht verstehen, was unter den "kyrillischen" Speisen zu verstehen ist. Susis Suppe ist zum Beispiel kalt, aber mir schmeckt sie sehr gut ...

Die Metrostationen in Moskau zu finden ist nicht ganz einfach, sind doch die roten "M" hier draussen relativ diskret angebracht. Mit Hilfe eines freundlichen Herrn finden wir aber "unsere" Station und kaufen gleich ein 20er-Abonnement. Eine Fahrt mit der Metro kostet etwa 80 Rappen und man darf beliebig lange und weit fahren und sooft umsteigen, wie man will. Einzige Bedingung ist, man bleibt "unten". Fünf Stationen weiter erblicken wir nach gut zehn Minuten nahe dem Roten Platz wieder Tageslicht.

Wir schlendern über den Platz und erfreuen uns an den schönen Bauten, die ihn einrahmen: Das Historische Museum, die Mauer zum Lenin-Mausoleum, die Basilius-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen und dem modernen Warenhaus GUM - einst berüchtigt für leere Regale und Gammelwaren, heute ein Luxuswarenhaus, das auch in Paris oder Mailand stehen könnte. Nach einem Bier spazieren wir durch die grosse Parkanlage westlich des Kremls.

Zum Abendessen fahren wir wieder zu "unserer" Station Партизанская (Partisanskaja), was wir auf Russisch bereits lesen können, und wir essen in einer kleinen griechischen Taverne zu Abend. Schon jetzt freuen wir uns auf das morgige Frühstück.

 

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Der Eingangsbereich des Hotel Vega in Moskau.

 

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Moskau: Die Basilius-Kathedrale am Roten Platz.

 

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Moskau: Die Kuppeln der russisch-orthodoxen Kirche "Maria orans".

 

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Im Alexandrovsky-Park (Alexander-Garten).

 

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Moskau: Im Alexander-Garten verdienen die beiden Herren etwas Geld als Lenin und Stalin.

 

 

 

 

4. Tag: Montag, 11. Juli 2011

Moskau

Nach einem Super-Frühstücksbuffet im Hotel Vega fahren wir wiederum in die Stadt und lösen Karten für den Kreml. Wir besuchen keine Gebäude, sondern flanieren zu den Kirchen und Kathedralen.

In den Amtsräumen des Kremls scheinen wichtige Sitzungen stattzufinden (viele schwarze Limousinen mit wartenden weiss behandschuhten Fahrern), während wir unseren noch sehr langen Urlaub und das schöne und warme Wetter geniessen.

Die einst grösste, aber nie geläutete Glocke der Welt, von der ein zwanzig Tonnen schweres Stück abgebrochen ist, kann vor dem Glockenturm bestaunt werden.

In einer kleinen Schnellfresserei futtern wir zu Mittag und spazieren dann ans Ufer der Moskwa, auf der wir die nächsten drei Stunden an Bord eines Sightseeing-Schiffes (RUB 800.-) verbringen werden; vorbei an der Kremlmauer, der Statue Peters des Grossen, dem Gorkipark bis zum Kiewer Bahnhof und wieder zurück.

Für das Überqueren der vom Abendverkehr jetzt wie wohl täglich überlasteten Strasse zwischen der Moskwa und der Kremlmauer wird von uns fast ein filmreifer Stunt abverlangt, der höchste Konzentration, Reaktionsvermögen, Mut und Timing voraussetzt. Apropos Film - wir können am Roten Platz vor der Basilius-Kathedrale gleich noch den Dreh einer Werbeszene mitverfolgen.

Zum Abendessen sind wir wieder bei "unserer" Metrostation Partisanskaja. Im ersten Stock einer etwas heruntergekommenen Bude, bei heruntergelassenen Rollläden und schummrigem Licht. Verdutzt, aber freundlich lässt der asiatische Kellner etwas Licht ins Dunkel. Das Fussballspiel in der Glotze kann er auch so anschauen ... Robi beweist bereits am dritten Tag Mut und bestellt sich zum Nachtisch ein Schokoladeeis.

 

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Das Staatliche Historische Museum auf dem Roten Platz.

 

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Die Mariä-Verkündigungs-Kathedrale im Kreml.

 

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Die Christ-Erlöser-Kathedrale westlich des Kremls.

 

 

 

 

5. Tag: Dienstag, 12. Juli 2011

Moskau -Transsibirische Eisenbahn

Wiederum beginnt der Tag mit dem gemütlichen und ausgedehnten Super-Frühstücksbuffet im Vega. Die Akkus der Kameras (wie auch unsere) sind wieder voll und wir checken aus. Das Gepäck dürfen wir in einem Raum deponieren, denn am Abend werden wir Moskau in der Transsibirischen Eisenbahn (TransSib) verlassen. Wieder in der Stadt versuchen wir vergebens nach Bussen, die City-Touren für Ausländer anbieten. Immerhin kommen wir so auch am Hintereingang der Duma, der Kammer des Parlaments der Russischen Föderation, vorbei.

Also spazieren wir über die grosse Steinbrücke westlich des Kremls zum kleinen Moskwabogen, der als halbkreisförmiger Kanal von der Moskwa abgetrennt ist. Mit seinen Fussgängerstegen, zum Beispiel der Lushkov-Brücke, erinnert er an Venedig. Typisch, originell und verspielt sind hier die vielen Liebes- oder Schlüsselbäumchen, an die Verliebte zu Hunderten oder gar Tausenden herzförmige Schlösser mit ihren Namen hängen - als öffentlich sichtbares Zeichen ihrer - hoffentlich ewigen - Liebe und untrennbaren Verbundenheit.

Zurück am Roten Platz essen wir etwas auf der Terrasse eines ziemlich schicken Restaurants und fahren dann zur Metrostation Komsomolskaja, die berühmt für ihre Kronleuchter ist. Nach zweimaligem Umsteigen sind wir wieder - zum letzten Mal - im Hotel Vega. Wir wechseln noch etwas Geld und werden dann für die Fahrt zum Jaroslawski Bahnhof abgeholt, wo die Züge der TransSib abfahren. Alexander, ein lokaler Guide, empfängt uns und gibt einige Ratschläge für die Weiterreise. Wir haben genügend Zeit, etwas dem Trubel zuzuschauen und kaufen noch Wasser und Joghurt am Bahnhofskiosk - für alle Fälle. Kurz nach 21:00 wird der Zug auf Gleis 3 bereitgestellt. Er besteht aus zwölf Schlafwagen der China Railways, einem russischem Speisewagen sowie einem Liegewagen für das Zugspersonal. Um 21:35 Moskauer Zeit - der offiziellen Zeit an allen russischen Bahnhöfen entlang der TransSib - beginnt der nächste Ferienabschnitt.

Betten machen unter Anleitung unseres Schlafwagenschaffners und Einnisten für die nächsten sieben Tage ist angesagt. Wir haben für beide Paare je ein Doppelabteil erster Klasse gebucht, was in der noch immer "klassenlosen" Gesellschaft Chinas nicht so heissen darf, sondern Softsleeper - im Gegensatz zu den Hardsleepern genannten Vierbettabteilen.

 

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Der Glockenturm Iwan der Grosse im Kreml.

 

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Die Metro-Station Komsomolskaja in Moskau.

 

 

 

 

6. Tag: Mittwoch, 13. Juli 2011

Moskau – Beijing mit der Transsibirischen Eisenbahn (Baliseno - Perm)

Um 05:30 erwache ich. Nebelschwaden, Erdschatten und Sonnenaufgang. Als auch die andern aufgestanden sind, versuchen wir im russischen Speisewagen zu frühstücken. Irgendwie scheinen die Russen noch nicht in der Gegenwart angekommen zu sein, denn der Speisewagen ist nicht an einem Erste Klasse-Wagen angehängt, sondern am Ende des Zuges (was uns zumindest dreimal täglich etwas Bewegung verschafft). Kommt dazu, dass der Kellner eher Dienst nach Vorschrift leistet, als nach marktwirtschaftlichen - sprich Trinkgeld - Überlegungen. Aber er wird eine Woche Zeit haben, um auf den Geschmack unserer Grosszügigkeit zu kommen. Vorerst werden wir (trotz leerer Plätze) zweimal abgewiesen, da für eine Gruppe reserviert ist. Offenbar ist die Kapazität von Küche und Service beschränkt. Endlich, gegen 11:00 (Moscow Time) klappt es dann doch und wir geniessen Rührei und Kaffee.

In unseren beiden Abteilen sind über dem Fenster Ventilatoren angebracht, welche nicht nur blasen, sondern die kühle Luft durch eine Schwenkbewegung jeweils durch das ganze Abteil verteilen. Das war mir in der Nacht lästig, weil alle paar Sekunden ein Luftstrom über das Bett geblasen hat. Deshalb ziehe ich den Splint an der Drehachse heraus und binde den Ventilator mit Schnur so fest, dass die Luft in eine der oberen Zimmerecken bläst. So ist es viel angenehmer. Auch Manfred und Verenas Abteil wird so quasi "zugfrei" gemacht. Um 13:00 sind wir in Baliseno. Zwischen den Geleisen präsentieren Frauen, wie an fast allen weiteren Bahnhöfen, ihre Esswaren zum Verkauf. 17:45 erreichen wir Perm, wo wir die Scheiben mittels mitgebrachter Utensilien selber reinigen - denn zum Rausschauen sind wir ja da.

Dem Chef der chinesischen Zugsbrigade scheint dies gar nicht zu passen. Er weist seine Leute lautstark an, von nun an bei jedem Halt die Scheiben zu putzen. Was dann widerstrebend und mit mürrischer Miene auch getan wird. Bereits haben wir über 1’500 km von fast 8’000 km hinter uns und es ist Zeit für eine „Dusche“. Zwei Abteile teilen sich eine gemeinsame winzige Nasszelle mit Lavabo und Duschschlauch. Toiletten befinden sich an den Wagenenden.

Die Landschaft wird allmählich hügeliger und ähnelt etwas dem Jura. Das Abendessen - pünktlich zur vereinbarten Zeit - schmeckt lecker und ist hübsch angerichtet: Medaillons und Schnitzel...

 

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Transsibirische Eisenbahn: Zwischen Baliseno und Perm.

 

 

 

 

7. Tag: Donnerstag, 14. Juli 2011

Moskau – Beijing mit der Transsibirischen Eisenbahn (Omsk - Barabinsk - Novosibirsk)

In der Nacht hielt der Zug irgendwo und die Abfahrt war ziemlich ruckartig, was wohl auf die automatischen Zentralkupplungen zurückzuführen ist. Auch da könnten sich die Russen ein Stück Moderne abschneiden - Stichwort Stossdämpfer-, bzw. Puffer. Wir haben trotzdem gut und bis 08:30 Moskauer Zeit geschlafen und erreichen Omsk. Den viertelstündigen Halt nutzen wir zum Einkaufen von Joghurt und Kefir (wir wollten eigentlich Milch) am Bahnhofskiosk. Bei Barabinsk haben wir schon 3000 km hinter uns. Es ist kühler und windiger geworden und wir ziehen einen Pullover über. Kurz nach Sonnenuntergang passieren wir die Brücke über den Ob, in dem sich der praktisch volle Mond spiegelt, und erreichen Novosibirsk. Da der Zug genug lange hält, gehen wir aussen herum zum Speisewagen, und wieder gibt es ein spätes, aber feines Nachtessen: Poulet, Steak und "Asia Pot". Später in der Nacht erblicken Susi und ich am Nordhorizont zum ersten Mal in unserem Leben bewusst leuchtende Nachtwolken.

 

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Bei Novosibirsk: Vollmond über dem Ob.

 

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Leuchtende Nachtwolken östlich von Novosibirsk. Blickrichtung Nord-Nordwesten (unbearbeitetes Originalbild).

 

 

 

 

8. Tag: Freitag, 15. Juli 2011

Moskau – Beijing mit der Transsibirischen Eisenbahn (Krasnojarsk - Ilanskaja - Sima)

Ich erwache bei Sonnenaufgang, schlafe aber gleich wieder ein. Zum Frühstücken gehen wir in Krasnojarsk wiederum aussen herum. Der Himmel ist überzogen und die Landschaft wird allmählich hügeliger. Vielleicht die äussersten nördlichen Ausläufer des Altai?

Wir sind jetzt vier Zeitzonen von Moskau entfernt und passieren um 15:00 den Kilometerstein 4500. Die Wälder bestehen nun mehr und mehr aus Tannen (Föhren) und nicht mehr aus Birken, wie weiter westlich. Da wir Stromanschlüsse in den Abteilen haben, können wir die Akkus immer laden.

Während des Abendessens erreichen wir Sima (30 min Halt) und erfreuen uns am Anblick des roten Vollmondes am Horizont.

 

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Ilanskaja: Typischer Bahnhof-Aufenthalt entlang der Transsibirischen Eisenbahn.

 

 

 

 

9. Tag: Samstag, 16. Juli 2011

Moskau – Beijing mit der Transsibirischen Eisenbahn (Irkutsk - Ulan Ude)

Im Morgengrauen fahren wir in Irkutsk ein; eine weitere Zeitzone weiter. Wir kaufen von einer Händlerin, die durch den Zug kommt, Brot und Wasser.

Mit dem Baikalsee und den Bergen im Süden erfährt die Landschaft jetzt einen deutlichen Wechsel. Sibirien liegt hinter uns und das typisch Mongolische beginnt sich abzuzeichnen. In Ulan-Ude ist wieder Markt auf dem Bahnsteig und wir können mitverfolgen, wie sich Frauen streiten, wer vor welchem Wagen seine Waren anbieten darf. "Tri Wagoni" wird die Eine mehrmals angebrüllt, die sich zusätzlich zu ihren drei Wagen unseren Erste-Klasse - sorry - Softsleeper ausgesucht hat.

In einem grossen Bogen umfahren wir jetzt dieselgetrieben Ulan-Ude Richtung Südwesten und gewinnen in der baumlosen Steppe und weiten Ebenen langsam an Höhe. Die Berge in der Ferne sind bewaldet - wir sind also unterhalb der Waldgrenze. Zeit für eine Dusche und Haarwäsche, so gut es geht. Die Geschwindigkeit ist gerade mal 40 km/h und als wir die Köpfe wieder hinauslehnen, spüren wir warmen, trockenen Fahrtwind. Als Randnotiz sei bemerkt, dass die Gangfenster der TransSib bis auf Halshöhe geöffnet werden können. Das ist sehr angenehm und praktisch zum Fotografieren.

Zum letzten Mal gibt es für uns Steaks, "Töpfli" und Bier im russischen Speisewagen. Der Wind ist noch wärmer und die Metallflächen am Fenstersims sind richtig heiss, autsch.

Nauschki, letzter Bahnhof auf russischem Boden.

Sofort kommen Geldwechsler durch die Abteile und reissen sich um unsere Rubel, die sie gegen mongolische Tugriks eintauschen wollen. Das mafiöse Prinzip besteht darin, dass viele Reisenden, so auch wir, den Kurs nicht kennen und gewaltig übers Ohr gehauen werden. Für einen Rubel bekomme ich nur 4 Tugriks, statt 40! Eigentlich haben die Typen im Zug überhaupt nichts verloren, aber durch Bestechung des Bahnhof- und Zugpersonals kommen sie wohl tagtäglich an solche Rubel. Die Reisebüros sollten ihre Kunden darauf aufmerksam machen, dass es keinen Grund gibt, für den Transit nach Beijing Geld in mongolischer Währung zu beschaffen, denn im mongolischen Speisewagen werden Rubel, Euros oder Dollars zu einem anständigen Kurs - natürlich problemlos - angenommen!

Zollkontrolle. "Passport, Visa, Immigration card". Es beginnt das übliche sinnlose Formulare-Ausfüllen, das wir noch mehrmals über uns ergehen lassen müssen. Die Pässe werden eingezogen und alle Passagiere müssen in den Zug. Da ist es ist jetzt wohl 40 °C heiss. Sportliche Militärjungs durchsuchen - mit Dreikantschlüssel bewaffnet - alle Schlupflöcher, auch unter dem Wagendach, und finden - wen wundert es - natürlich nichts. Wir sind beeindruckt! Der Zug rollt etwas weiter, hält nochmals bei Kilometerstein 5903 vor einem mongolischen Grenzbogen und erreicht dann Suchbataar. Wieder ist der rote Vollmond am Horizont. Jetzt kommen mongolische Zollmäuse - adrette, strenge, aber freundliche Beamtinnen, und vergleichen äusserst gründlich Passfoto mit Original. Da der Zug am Bahnhof steht, werden wir aufgefordert, die Vorhänge zu schliessen, um weiss wen vor was zu schützen.

"Mongolian Restaurant open!" bewirbt der mongolische Kellner "Walter" seinen Speisewagen, indem er durch die Abteile geht. Es ist schon spät und wir genehmigen uns nur noch ein Bier bei Walter.

 

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Morgenstimmung am Baikalsee.

 

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Am Baikalsee.

 

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Dörfer in der Umgebung von Ulan Ude.

 

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Nahe der Grenze zur Mongolei wird die Landschaft sehr karg.

 

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Bahnhof Nauschki: Jedes rote "Pixel" des Fahrplans ist von Hand eingesetzt.

 

 

 

 

10. Tag: Sonntag, 17. Juli 2011

Moskau – Beijing mit der Transsibirischen Eisenbahn (Ulan Bataar - Zamin Uud - Erlian)

Nach Sonnenaufgang erwache ich. Auch Susi hat gut geschlafen. Wir beobachten die Einfahrt in Ulan Bataar, das wir beide schon seit 2008 kennen. Manfred und Verena schlafen noch. Die meisten Fahrgäste steigen hier aus - neue steigen zu. Wir frühstücken bei Walter und bezahlen mit den restlichen Tugriks und Dollars. Der pfiffige Kerl bestellt uns gleich für 13:00 zum Lunch - so wird's gemacht.

Susi und mir kommt die Gegend vertraut vor; wir erkennen den Zaisalhügel mit den Denkmälern und den grossen Petroglyphen wieder.

Die Linie ist jetzt einspurig und kurz hinter Ulan Bataar warten wir über eine Stunde drei Züge aus der Gegenrichtung ab. Bei einem Pass sind wir erstaunlicherweise bereits auf 1700 m ü. M. Ringsum die unendlichen Weiten in mongolischen Hochebenen.

Punkt 13:00 sind wir wieder bei Walter und kosten sein Mittagsmenu aus Nudelsuppe mit Fleisch, Beef mit Reis und Gemüse. Da der Transit durch die Mongolei nur einen Tag dauert, ist es logisch, dass pro Mahlzeit nur ein vorgegebenes Menu bestellt werden kann.

Unmerklich sind wir wieder etwas tiefer auf 1000 m ü. M. und bleiben - mit GPS gemessen - mehrere Stunden auf dieser Höhe.

Die Landschaft wird immer trockener, karger und staubiger. Kurz vor Sonnenuntergang gibt es Nachtessen und um 20:00 sind wir an der Grenze zu China. Salutierend begrüsst uns die hübsche mongolische Zöllnerin und verlangt unsere Pässe. Verglichen mit gestern ist es hier in Zamin-Uud angenehm kühl. Beim Verlassen des Bahnhofs stehen alle Beamtinnen salutierend auf dem Bahnsteig und verabschieden den Zug, der einige Meter weiter den chinesischen Grenzort Erlian erreicht.

Es ist 21:45 und alle Wagen müssen wieder mit neuen Drehgestellen ausgerüstet werden. Dazu wird der Zug auf zwei Gleise verteilt und in eine entsprechend lange Montagehalle geschoben. Die Wagen werden voneinander abgekoppelt, hydraulisch angehoben und mit den neuen Rädern versehen. Nach dem Verkuppeln wird der Zug wieder zusammengesetzt und vor die Bahnhofsplattform gefahren. Es ist Mitternacht, und wer nicht schon schläft, darf jetzt aussteigen und kann noch einkaufen gehen.

 

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Morgenstimmung kurz vor Ulan Bataar.

 

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Mittagessen im mongolischen Speisewagen.

 

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Pferde in der Mongolei.

 

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In der Wartungshalle des Bahnhofs Erlian werden die Drehgestelle gewechselt.

 

 

 

 

11. Tag: Montag, 18. Juli 2011

Moskau – Beijing mit der Transsibirischen Eisenbahn (Erlian - Datong - Beijing)

Es ist 01:00. Zur Begrüssung in China erhalten wir Essensgutscheine für den nun chinesischen Speisewagen. Aus den Bahnhofs-Lautsprechern erklingt Marschmusik, das Personal reiht sich salutierend auf und der Zug setzt sich in Bewegung. Wir sind in China willkommen.

Um 07:30 erwachen wir. Der Himmel ist verhangen: wir fahren durch Industriegebiete und kurze Zeit später erreichen wir Datong. Mit unglaublicher Wucht sind wir über Nacht von der Steppe im modernen China angekommen. In Zwangjiakou, dem zweitletzten Bahnhof der TransSib, hält der Zug nur zehn Minuten, und nachdem wir die Essensgutscheine eingelöst haben, geht es ans Packen. Um 12:15 sind wir fertig. Nur noch zwei Stunden dauert die Fahrt, aber diese Strecke ist sehr interessant. Der erste Teil besteht aus hügeliger, lehmiger Landschaft mit vielen Maisfeldern und der folgende Abschnitt ist eine schroffe, Berg- und Felsengegend. Dutzende Tunnels und Brücken folgen sich in rasanter Folge, dazwischen Schluchten, Flüsse, Wasserfälle. Die TransSib endet in der Beijing Railway Station mitten in der Stadt. Kaum zu glauben, dass wir sechs Nächte in diesem Zug verbracht und dabei 7622 km zurückgelegt haben; die Zeit verging wirklich wie im Fl..Zug. Vergeblich warten wir auf dem Bahnsteig, abgeholt zu werden. Wir verlassen den Bahnhof und treffen dort auf unseren lokalen Guide für die Tage in Beijing, Bao. Zum Hotel Howard Johnson Paragon brauchen wir nur über eine Passarelle zu gehen. Von unseren Zimmern aus haben wir eine schöne Aussicht auf den grossen Bahnhofsplatz und die Strasse davor, herrlich. Den Nachmittag benutzen wir zum Einrichten, Duschen und Wäsche waschen. Wir beschaffen uns an der Rezeption chinesische Yuans, der Währung für die nächsten Wochen und gehen in ein japanisches Restaurant, das sich im grossen Einkaufs-Komplex befindet, unter unserem Hotel. Das Essen ist sehr günstig und vor allem sehr vielseitig und gut.

 

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Elegante Brücke über den Tongqiao River in Zhangjiakou (zwischen Datong und Beijing).

 

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Die Eisenbahn durchquert die Schluchten nordwestlich von Beijing.

 

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Im japanischen Restaurant im Henderson Center am Bahnhof Beijings.

 

 

 

 

12. Tag: Dienstag, 19. Juli 2011

Beijing: Tiananmen-Platz, Verbotene Stadt, Himmelstempel

Das Frühstück in diesem noblen Hotel wird von Klavier-Musik begleitet. Meiner Meinung nach eine Unart, denn wer will schon zum Frühstück Klavier-Geklimper hören?

Draussen ist dichter Smog und die Sonne ist nicht sichtbar. Gar nicht schlecht für den heutigen Tag in der Verbotenen Stadt. Um 09:30 holt uns Bao ab und wir fahren zum Tiananmen-Platz. Es hat viel mehr Menschen hier als vor zwei Jahren. Irgendwie scheinen alle Chinesen frei zu haben. Zu hunderten stehen sie Schlange, um einen Blick ins Mao-Mausoleum zu werfen. Mit dem Menschenstrom passieren wir die Unterführung und gelangen durch das Tor des himmlischen Friedens zur Verbotenen Stadt.

Danach werden wir in ein "Teehaus" gefahren, eines jener Geschäfte oder Touristenfallen, in die die Guides Touristen führen müssen, um etwas Geld zu verdienen. Wir kennen den Ablauf schon von früher, lassen die dämliche Show "Tee-Zeremonie" über uns ergehen und kaufen dann einige Teeproben als Souvenirs.

Wir haben kein Wasser dabei, was eigentlich Aufgabe des Guides oder seines Fahrers wäre und sind entsprechend durstig. Immerhin geht Bao in eine Bäckerei etwas Süssgebäck für uns kaufen.

Wir fahren zum Himmelstempel, der einstigen Gebets- und Ernte-Opferstätte der Ming- und Qing-Kaiser aus dem 15. Jahrhundert. Es ist der grösste und bedeutendste aller kaiserlichen Tempel Chinas - und sicher ein Wahrzeichen Beijings.

Auch heute essen wir wieder beim Japaner im Hause zu Nacht. Dann kaufen wir noch - frankierte! - Postkarten im Hotelkiosk. Um 21:00 sind wir nach einem langen Tag sehr müde und gehen zu Bett.

 

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Ehrenwache vor dem Tor des Himmlischen Friedens.

 

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In der Verbotenen Stadt: Stufen vor der Halle der mittleren Harmonie.

 

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Der Himmelstempel in Beijing.

 

 

 

 

13. Tag: Mittwoch, 20. Juli 2011

Beijing: Ming-Gräber, Grosse Mauer

Wir müssen schon um 06:45 frühstücken, denn wir haben einen langen Tag vor uns. Wieder dieses Geklimper!

Vor dem Besuch der Ming-Gräber fahren wir zur Geisterstrasse, oder dem "Weg der Seelen". Hier sind kaum Touristen anzutreffen. Der Weg ist eine von paarweisen Skulpturen, mystischen Geschöpfen und Beamten gesäumte Allee, deren Figuren die Gräber vor bösen Geistern schützen sollen. Wir schreiten den Weg ab und fahren dann zu einer richtigen Grabanlage bei Dingling. Hier ist Zhu Yijun, der 13. Kaiser der Ming-Dynastie, begraben. In den unterirdischen Gewölben mit den Sarkophagen herrscht ein dichtes Gedränge, und wir schauen, möglichst schnell wieder an der Oberfläche zu sein.

Die Fahrt nach Mutianyu dauert eine gute Stunde. Hier sollten eigentlich nicht so viele Besucher hin strömen wie in Badaling, aber die Realität sieht anders aus. Wir essen eine Nudelsuppe zu gesalzenem Touristenpreis und steigen dann im Wald die Steintreppe hoch zur Mauer, ohne die inzwischen errichtete Seilbahn zu benutzen. Bao ist darüber offensichtlich erstaunt; wir scheinen die ersten Besucher zu sein, welche diese Touristenattraktion nicht benutzen wollen. Das gleiche gilt für die Sommer-Schlittenbahn, die einen wieder hinunter ins Touristendorf führt. Der Spaziergang geht entlang eines gut ausgebauten Weges mit Treppen, wo nötig. Unterwegs besuchen wir ein kleines Stein- und Mineralien-Museum mit Exponaten aus der Gegend.

Der Mauerabschnitt, ursprünglich im 16. Jahrhundert angelegt, ist grösstenteils renoviert und man fragt sich, welchen Sinn ein solch gigantisches Bauwerk gehabt haben könnte. Die Berge in dieser Gegend waren ohnehin nur schwer passierbar. Wir spazieren zwischen den Wachtürmen 7 und 8 herum.

Wieder in Peking lassen wir uns die Füsse massieren. Trotz teil schlechtem Wetter sind wir heute nie nass geworden - Himmel sei Dank.

Zum dritten Mal gehen wir zum Japaner Nachtessen; man kennt uns längst, aber es ist auch das letzte Mal, denn morgen werden wir um diese Zeit Beijing verlassen und uns der Reisegruppe "Tibet - Dach der Welt" angeschlossen haben, um nach Lanzhou fliegen.

 

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Local Guide Bao bei den Ming-Gräbern: Die Schildkröte am Eingang des Weges der Seelen symbolisiert die Hoffnung auf ein langes Leben.

 

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Ming-Gräber bei Dingling: Auf dem Weg der Seelen.

 

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Ming-Gräber bei Dingling: Eine der Grabkammern.

 

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Der Bahnhofsplatz in Beijing bei Nacht.

 

 

 

 

14. Tag: Donnerstag, 21. Juli 2011

Beijing: Kohleberg, Sommerpalast  – Lanzhou

Es regnet. Wir frühstücken gemütlich (wieder Klavier-Geklimper) und packen dann unsere Koffer. Draussen gewittert, blitzt und donnert es. Um 10:30 werden wir von Bao abgeholt und verstauen die Koffer im Kleinbus.

Wir fahren ans nördliche Ende der Verbotenen Stadt und besteigen den Kohlen- oder Jingshanhügel, auf dem ein dreistöckiger Pavillon thront. Der fünfzig Meter hohe Hügel wurde in Handarbeit aus dem Abraum beim Bau der verbotenen Stadt von den Arbeitern des Ming-Kaisers Yongle aufgetürmt. Von hier ober hätte man eine tolle Aussicht auf die verbotene Stadt und das moderne China, aber die feuchte Luft und der Smog lassen leider keine grosse Weitsicht zu; alles verliert sich in nebligem Grau.

Am Fusse des Hügels wird des Selbstmordes des letzten Ming-Kaisers an dieser Stelle gedacht.

Als letztes Highlight steht der Besuch des Sommerpalastes auf unserem Programm. Der Palast und die schöne Garten- und Seeanlage wurden ursprünglich im 18. Jahrhundert etwas weiter östlich von Kaiser Quianlong als Geburtstagsgeschenk an seine Mutter errichtet. In den Sommermonaten verweilte hier der Hofstaat. Der Park liegt nordöstlich des Stadtzentrums und die Fahrt dauert eine gute halbe Stunde. Leider sind auch hier sehr, sehr viele Besucher, so dass es kein Genuss ist, in der Anlage herum zu spazieren. Wir beginnen den Besuch mit dem Verzehr einer Nudelsuppe, denn wir verspüren Appetit und haben Durst. Wiederum ist Bao enttäuscht, dass wir nicht mit einem Tretboot (Pedalo), sondern zu Fuss zum anderen Ende des Sees gelangen wollen - wir sind für ihn offensichtlich Exoten.

Für uns Besucher ist vor allem der siebenhundert Meter lange Wandelgang mit seinen vielen Malereien sehenswert, ebenso das pompöse Marmorboot, für dessen Bau Gelder aus der Kriegskasse verwendet wurden.

Damit geht für uns der erste, individuelle Teil der Reise zu Ende. Wir werden von Bao zum Flughafen gebracht, wo er uns beim Einchecken zum Weiterflug hilft.

 

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Kalligraphisches Souvenir an den Sommerpalast in Beijing.

 

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Im Wandelgang des Sommerpalastes in Beijing.

 

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Das Marmorschiff im Sommerpalast.

 

 

 

 

Teil 2: Beijing - Lhasa - Kathmandu

 

 

Beijing - Lanzhou

(Teilnahme an der Gruppenreise Tibet – Dach der Welt)

Beijing International Airport: Bereits am Check-in Schalter der China Eastern Airlines halten wir Ausschau nach Gepäck mit Insight Reisen-Etiketten. Als erste treffen wir auf Michael und Gertrud aus Wien, die sich, wie wir, auch einige Tage Beijing gönnten, übrigens im selben Hotel. Am Abflugs-Gate treffen wir unseren Reiseleiter und Asienspezialisten Dr. Carl-Hellmut Höfer, "Carl", sowie Eve und Daniel. Alle drei sind erst vor einigen Stunden in Beijing gelandet und sind entsprechen „zerknittert“. Wir sind also komplett, Carl ist sichtlich erleichtert. Roland wird erst in Lhasa zu uns stossen. Der Flug mit dem Airbus A-320 der China Eastern Airlines nach Lanzhou, der Provinzhauptstadt Gansus, dauert zwei Stunden. Bei der Landung um 20:35 ist es bereits dunkel. Wir werden von „Gina“, der lokalen Reiseleiterin, sowie Vater und Sohn Busfahrer erwartet. Gina, eine junge Lehrerin, heisst natürlich nicht Gina, sie nennt sich nur bei der Begleitung von Gästen aus dem Westen so. Sie meistert ihre Aufgaben perfekt, wie sich in den kommenden Tagen noch zeigen wird.

Carl möchte uns und unsere vielfältigen Erwartungen an die gemeinsame Reise noch am Flughafen bei Nudelsuppe und Bier kennen lernen. Diese Vorstellungsrunde und die anschliessende einstündige Fahrt per Bus lässt uns erst kurz vor Mitternacht im Hotel Legend in Lanzhou ankommen. Und morgen soll es schon sehr früh wieder losgehen! Zum Glück haben wir die letzte Nacht im Hotel und nicht wie Carl, Eve und Daniel, im Flugzeug verbracht.

 

 

 

15. Tag: Freitag, 22. Juli 2011

Lanzhou – Bingling-Grotten – Labrang - Tongren

Um 05:00 klingelt tatsächlich der Wecker. Es ist ein schöner Tag und die Strassen der Dreimillionen-Stadt sind noch fast leer. Was für ein Unterschied zu Beijing. Frühstück und Check-out. Jetzt in der Frühe sind in den Parks Lanzhous viele Chinesen zu sehen, die den Tag mit Taiji beginnen. Vom Wasserrad-Park mit seinem grossen hölzernen Wasserrad, das zu Ming-Zeiten zum Bewässern gebaut wurde, können wir nur durch einen Zaun einen Augenschein erhaschen; noch ist der Park zu. Wir fahren mit unserem Kleinbus aus der Stadt, um über eine reizvolle Gebirgsstrasse zur Anlegestelle für die Bootsfahrt auf dem Gelben Fluss (Huanghe) zu gelangen.

Bevor wir in der Nähe des Dorfes Xiajinjia die Boote besteigen, haben wir, das heisst hauptsächlich die Damen unter uns, ein wiederkehrendes Problem zu lösen ... Wasser und so. In China gibt es zwar erfreulich viele öffentliche Bedürfnisanstalten; diese sind wegen ihres mehr oder weniger erbärmlichen Zustandes auch stets schon von weitem zu riechen. Vorzugsweise erledigt man deshalb sein Geschäft in der freien Natur, infolge Dringlichkeit ist dies leider nicht immer möglich.

Auf zwei Motorboote verteilt fahren wir etwa 20 km stromaufwärts. Im ersten Teil der Fahrt befinden wir uns auf einem gestauten See (5 x 20 km), dann biegen wir in ein relativ enges (250 m breites) von Felsen gesäumtes Flusstal und erreichen die Anlegestelle bei Bingling Si.

Wir hangeln uns unter Zuhilfenahme eines Seils auf die Promenade und spazieren die berühmten Felswände entlang, in denen sich die buddhistischen Grotten und Kulthöhlen befinden. Die ältesten stammen aus dem fünften Jahrhundert. Vom Prunkstück der Anlage, dem fast dreissig Meter hohen sitzenden Maitreya Buddha, sehen wir nicht viel, da er renoviert wird und hinter einem Schutznetz verborgen ist.

Das Mittagessen, unser erstes gemeinsames, geniessen wir auf dem Oberdeck des Schiffes, durch das wir an Land gekommen sind. In der Zwischenzeit hat unser Bus mit einer Fähre das andere Ufer erreicht, und für uns geht es in den Schnellbooten wieder etwa gleich weit den Fluss hinunter. Gegenüber der Einstiegsstelle verlassen wir die Boote, um mit dem bereits wartenden Bus zum Kloster Labrang bei Xiahe zu fahren. Als wir das Dorf Shangfengja passieren, halten wir an, weil uns Carl die typische Schutzmauer vor einem Haus zeigen will, welche böse Geister abhalten soll. Diese Mauern stehen immer direkt vor der Eingangstür, da die Geister keine Kurven fliegen können!

Die weitere Fahrt führt durch sehr schöne Landschaften und wir erreichen etwa um 17:00 voller Vorfreude auf eine Dusche und eine frühe(re) Nachtruhe das Hotel in Labrang. Dort müssen wir aber zur Kenntnis nehmen, dass - Willkür des chinesischen Staatsapparates – zurzeit keine ausländischen Touristen in Labrang nächtigen dürfen! So stark ist die Angst vor Aufruhr anlässlich des 60. Jahrestages der Besetzung Tibets. Offiziell chinesisch heisst das aber: Liberation (Befreiung) of Tibet! Gina versucht, eine Lösung zu finden, aber alles hilft nichts: Heute werden wir nicht hier schlafen, und bis Tongren dauert die Fahrt mindestens weitere zweieinhalb Stunden. Es wird auf jeden Fall ein langer Tag werden; für uns, aber besonders für die Fahrer. Und in Tongren weiss man noch nichts von einer heute spät nachts ankommenden Reisegruppe.

Die Sonne verschwindet langsam hinter den Bergen, als wir - trotzig - das Labrang-Kloster besichtigen gehen. Susi leidet unter starken Kopfschmerzen; für sie ist der Besuch hier eine schwere Strapaze. Zum Nachtessen gehen wir in die Stadt. In einem kleinen Restaurant im ersten Stock finden wir an drei Tischchen Platz und essen alle - da es schnell gehen muss - das gleiche Menu: Reis mit süss-saurem Hähnchenfleisch. Offensichtlich dürfen sich Ausländer in Labrang wohl aufhalten, aber nicht übernachten. Sind wir denn im Schlaf gefährlicher als tagsüber? Unter uns geht der Markt zu Ende und die Händler verstauen ihre bunten Seile. Die Mönche, welche auch hier gegessen haben, verlassen nach und nach das Restaurant.

Es ist längst stockdunkle Nacht, als rechts der Strasse ein Fest auszumachen ist. Natürlich kennt Carl den Brauch dieses zweitägigen Schamanenfestes und wir lassen es uns nicht nehmen, auszusteigen und einige Minuten dem schemenhaften Tanz ohne Musik zuzuschauen. Kinder und Männer umtanzen murmelnd eine Feuerstelle und mit kreisenden Handbewegungen zeigen sie zum Himmel. Morgen soll der zweite Teil des Festes folgen. Nicht viel weiter erreichen wir - endlich - Tongren. Gina hat in der Zwischenzeit eine Bleibe organisieren können. Im dritten Stock eines Hauses befindet sich das Hotel "Sheng Wang"; über die Verwendung der unteren Etagen darf sich jeder eine eigene Meinung bilden. Es ist nach Mitternacht, und trotzdem heisst es für mich noch "Duschen, Wäsche waschen, Akku laden".

 

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Ein chinesisches Städtchen erwacht: Morgenstimmung in Lanzhou (3 Mio. Einwohner).

 

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Auf dem Gelben Fluss Richtung Bingling Si.

 

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Die Felsen entlang des Gelben Flusses bei Bingling Si.

 

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Carl erklärt die buddhistischen Grotten von Bingling Si.

 

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Die buddhistischen Grotten von Bingling Si.

 

 

 

 

16. Tag: Samstag, 23. Juli 2011

Tongren (Osttibet)

Heute können wir es gemütlich angehen lassen, denn wir haben ja einen Tag Vorsprung auf die Marschtabelle. Wir erwachen schon um 07:00 und haben gut geschlafen. Der Hotelbesitzer verwöhnt uns, die wir ihm unerwartet für eine Nacht ein volles Haus bescherten, mit einem tollen Frühstücksbuffet auf der Dachterrasse des Hotels vor Carl’s „Suite“.

Um neun Uhr sind wir bereit für die Besichtigung des örtlichen Museums, der Regong Art Gallery. Wir, aber noch nicht das Museum. Offenbar hat hier lange keiner mehr vorbeigeschaut, denn mehrere Angestellte weibeln in der Gegend herum, bis endlich der Schlüssel für jede Tür gefunden wird. Das Warten hat sich gelohnt, denn hier sind neben Thangkas drei wunderschöne, etwa vier Quadratmeter grosse Sandmandalas zu bestaunen.

Die goldene Buddha-Statue vor dem Rongpo-Gonchen-Kloster ist schon von weitem sichtbar. Im Kloster, das auf die Sakya-Tradition zurückgeht, leben vierhundert Mönche. Es ist für die Repkong-Malschulen bekannt, die sich im 15. Jahrhundert entwickelten. Wir fahren in ein muslimisches Restaurant nicht weit von hier und checken dann im Regong Hotel ein, womit wir wieder im Zeitplan sind. Dieses Hotel besteht aus fünf Gebäuden, die Schlafzimmer haben wir im Block 4 und gegessen wird in Block 5.

Am Nachmittag fahren wir zurück zum Dorf Lanjiacun, um der Fortsetzung des gestrigen nächtlichen Fests beizuwohnen. Unterwegs haben wir Glück, gerade zum Beginn des Festaktes im Dorf Gadui zu sein, wo eben ein Zug junger Männer ins Dorf schreitet. In Lanjiacun sind wir etwas zu früh, aber so können wir zusehen, wie mehr und mehr Menschen dazukommen und das Fest dann beginnt. Zu Beginn können sich die Jungen darin messen, auf eine fünf Meter hohe Holzstange zu klettern. Es folgen Beschwörungs-Tänze und in einer nächsten Phase stechen sich Männer in Trance Nadeln mit bunten Stofffahnen durch die Wange und die Haut am Rücken. Im letzten Teil folgen Mädchen langsam tippelnd einer Maske, die von einem Mann vor ihnen durch die Runde geführt wird. So sind wir also heute mit diesen faszinierenden Festen "belohnt" worden, was wahrscheinlich nicht der Fall gewesen wäre, hätten wir gestern in Labrang bleiben dürfen! Nach einer Ruhepause im Regong Hotel beschliessen wir den Tag im Restaurant "Shiling Ba" (o. s. ä.), was nach Gina so viel heisst wie "Where all the good lucks come in" - treffend!

 

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Tongren: Goldener Buddha auf dem Platz vor dem Rongpo-Gonchen-Kloster.

 

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Tongren: Ankunft beim Rongpo-Gonchen-Kloster.

 

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Tongren: Gebetshalle im Rongpo-Gonchen-Kloster.

 

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Einmarsch der Männer zum Schamanenfest in Gadui.

 

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Junge Männer am Schamanenfest in Lanjiacun.

 

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Junge Männer am Schamanenfest in Lanjiacun.

 

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Die jungen Frauen folgen einer kleinen Holzmaske am Schamanenfest in Lanjiacun.

 

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Kinder am Schamanenfest in Gadui.

 

 

 

 

17. Tag: Sonntag, 24. Juli 2011

Tongren (Wutong Kloster) – Xining (Kumbum Kloster)

Das Frühstück heute essen wir mit Stäbchen - echt chinesisch eben - in Block 5. Dann checken wir aus und erreichen wenige Minuten später das Wutong-Kloster. Acht Stupas symbolisieren die Grosstaten Buddhas. Wir besichtigen den Tsongkhapa-Tempel und die Halle des zukünftigen Buddhas. Ein Künstler ist gerade daran, ein Thangka zu bemalen und wir können die Entstehung solcher Bilder in allen Phasen bewundern.

Die Fahrt geht jetzt Richtung Xining, oft dem Gelben Fluss entlang. Es ist ein heisser Sommertag und plötzlich fahren wir über geernteten Weizen, der auf einer Länge von zwanzig Metern über die Fahrbahn verstreut liegt. So wird hier in diesem Tal offenbar Getreide gedroschen: einfach Fahrzeuge darüber fahren lassen und dann die Körner zusammenkehren! "Drauflos dreschen" - beim Wort genommen!

Beim Kloster Kumbum, 26 km ausserhalb von Xining, der Hauptstadt der Provinz Qinghais, gehen wir erst Mittagessen und besuchen dann das Kumbum Jampa Ling-Kloster, eines der wichtigsten Klöster Tibets. Pilgerscharen sind ständig unterwegs, um den Geburtsort von Tsongkhapa, dem Gründer des Gelupka-Ordens, zu besuchen. Wir nehmen uns die Zeit und warten so lange, bis um 17:00 das tägliche Ritual des Debattierens der Mönche im Hof beginnt.

Es regnet leicht, als wir wieder in Xining sind und im Yile Hotel zu Abend essen. Die Menükarte sieht zwar sehr elegant aus, aber die Interpretation der Bilder - niemand spricht hier englisch - lässt viel offen. Die Ente jedenfalls wird zeitlebens eher gegrunzt als geschnattert haben.

 

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Wutong-Kloster bei Tongren: Stupas.

 

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Wutong-Kloster bei Tongren: Tsongkhapa, der Begründer des Gelupka-Ordens.

 

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Unterwegs von Tongren nach Xining: Drauflos dreschen ...

 

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Unterwegs von Tongren nach Xining: Brücke über den Gelben Fluss.

 

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Xining: Aussicht vom Yile Hotel.

 

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Xining: Goldene Statue der vier harmonischen Freunde; zuunterst der Elefant.

 

 

 

 

18. Tag: Montag, 25. Juli 2011

Xining (Im Zug nach Lhasa)

Der Himmel ist wolkenverhangen, aber noch fällt kein Regen. Wir haben sehr gut geschlafen und geniessen das Frühstück am grossen, ausschliesslich chinesischen Büffet. Jetzt beginnt es zu regnen, aber wir gehen ja gleich in den Bus, um Richtung Kokonor-See westlich Xinings zu fahren.

Unterwegs erreichen wir den Sonne-und-Mond-Pass, eine Touristenattraktion bestehend aus zwei kleinen Tempeln, welche Sonne und Mond repräsentieren. Der Ort ist - wohl nicht zuletzt auch seiner schönen Lage auf über 3500 m ü. M. wegen - sehr überlaufen und wir fahren bald weiter zum Kokonor-See, dem vielleicht höchstgelegenen Salzsee der Erde auf 3195 m ü. M. Hier schlägt die chinesische Tourismusbranche voll zu, denn um ans Ufer zu gelangen, muss Eintritt bezahlt werden. Es scheint so, als ob jeder Chinese einmal in seinem Leben an diesem See gewesen sein sollte. Entsprechend viele Fahrzeuge und Menschen sind hier. Uns sagt dieses Erlebnis nicht viel und zur Enttäuschung Ginas wollen wir lieber schnell etwas essen gehen, um dann noch bei Tageslicht wieder in Xining zu sein und den dortigen Markt zu besuchen. Trotzdem ist die Fahrt dem See und den Rapsfeldern entlang ein schönes Erlebnis, besonders auch des unheilschwangeren Sonnenlichts wegen, in das die Gegend getaucht ist.

Plötzlich beginnt es stark zu regnen und zu hageln, aber ebenso schnell ist der Spuk wieder vorbei. In Xining werden wir zu einer Biskuit-Fabrik gefahren, in der die in China berühmten Mooncakes hergestellt werden. Diese bestehen aus einer Füllmasse, die mit Teig umschlungen und gebacken wird. Wir dürfen zu Tee verschiedene Sorten kosten und man zeigt uns dann in einer Fabrikhalle gegenüber (ehemalige Garage?; dem Schweizer Lebensmittel-Inspektorat wären auf jeden Fall die Haare zu Berge gestanden), wie fleissige Hände die Dinger produzieren.

Als letztes in Xining fahren wir zu einem zentralen Markt, wo Gertrud ihre längst ersehnte Frühlingsrolle findet, bevor es im muslimischen Restaurant "Yü phan" (o. s. ä.) in einem engen heissen Hinterzimmer zum Nachtessen geht. Das Bier müssen wir – selbstverständlich und heimlich - selber besorgen.

Während des Essens erreichen uns schlechte und vor allem widersprüchliche Nachrichten. Niemand weiss, ob wir für die Fahrt nach Lhasa nun Fahrkarten haben und keine Permits oder Permits ohne Fahrkarten. Oder gar beide nicht. Wir nehmen es relativ gelassen, denn wir wussten bereits in der Schweiz, dass Tibet im Juli für längere Zeit für Ausländer gesperrt sein soll, aber von offiziellen Stellen nie verbindliche Daten zu erhalten waren.

Nichtsdestotrotz fahren wir zum Bahnhof, wo Hektik herrscht, passieren – wie am Flughafen – die Sicherheitskontrollen und wissen zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges noch immer nicht, ob wir mitfahren dürfen. Plötzlich erscheint Gina mit Tickets und einem eben von Lhasa per Fax eingetroffenem Permit.

Der Zug Lanzhou – Lhasa trifft ein, die Gates öffnen sich, wir und alle anderen Passagiere drängen sich mit Sack und Pack durch die Unterführung treppab treppauf auf den Bahnsteig, suchen aufgeregt ihren Wagen und ihre Betten. Da wir wahrscheinlich nicht in dem Zug sitzen, für den wir ursprünglich gebucht haben, und weil vielleicht an anderer Stelle besser geschmiert wurde, bekommen wir nicht alle die Plätze, die wir bestellt haben. Uns "Baslern" wird zwar wie gewünscht ein Viererabteil Softsleeper zugeteilt, Gertrud, Michael und Daniel teilen ihr Softsleeper-Abteil mit einer Chinesin, während Eve und Carl in einem Sechserabteil Hardsleeper mit vier netten Tibeterinnen reisen.

Gina war in den gemeinsamen Tagen nicht nur eine charmante Begleiterin, sondern sie hatte bis zur letzten Sekunde viel Arbeit für uns erledigt und vielleicht wären wir ohne ihren beherzten Willen, alles für uns zu tun, nicht nach Lhasa gekommen. Sie hat in allen schwierigen Situationen perfekte Arbeit geleistet, wie wir sie noch von keinem Local Guide erlebt haben.

Zweiundzwanzig Uhr: Pünktlich setzt sich der Zug in Bewegung - Erleichterung allenthalben. Da wir es morgen möglichst gemütlich haben wollen, nehmen wir nur das Nötigste für die Nacht aus den Koffern und verstauen diese dann in allen möglichen Nischen im Abteil. Ins Bett können wir allerdings noch nicht. Zuerst haben wir zuhanden der China Railways eine Enthaftungserklärung für das Risiko von Reisen über 3000 m zu unterschreiben, dann verkauft uns die Speisewagenkellnerin für den nächsten Tag vier Mal Vollpension für knapp CHF 20.00 pro Person. Verena lehrt sie die Ausdrücke „Breakfast – Lunch – Dinner at ... o’clock“, sodass sie es in den nächsten Abteilen etwas leichter hat.

 

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Auf der Fahrt zum Kokonor-See: Das nicht ganz sonnige Wetter auf dem Sonne-und-Mond-Pass ist ideal für Portraits: Susi, Eve und Carl.

 

 

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Auf der Rückfahrt vom Kokonor-See nach Xining.

 

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Auf einem Markt in Xining.

 

 

 

 

19. Tag: Dienstag, 26. Juli 2011

Golmud - Lhasa (Im Zug nach Lhasa)

Bereits um 06:00 steht Manfred auf; ich etwas später. Wir wollen von der Fahrt, die unglaublich schön sein soll, möglichst nichts verpassen.

Um 07:00 sind wir in Golmud. Laut Reiseführer beginnt ab hier der schönste Teil der Strecke. Wir lassen uns viel Zeit für ein reichliches ausschliesslich chinesisches Frühstück (ohne Kaffee, ohne Tee, dafür mit Suppe), denn die beste Aussicht auf die spektakuläre Umgebung geniesst man durch die grossen Fenster des Speisewagens.

Die Landschaft ist wirklich einmalig und besteht aus felsigen Bergen, dazwischen breiten Schwemmbetten der natürlichen Flüsse, hie und da einem Abbruch oder Abrutsch und sehr kargen Grasflächen, wenn überhaupt.

Obschon wir inzwischen auf 3700 m ü. M. sind, dauert es noch, bis wir die ersten Schneeberge zu Gesicht bekommen. Die Schneefallgrenze ist hier im Sommer auf über 6000 Meter, auf jeden Fall viel höher als in den "von Meeren umspülten" Alpen Europas. Die freundliche Angestellte in unserem Wagen informiert uns gelegentlich, wenn etwas Besonderes zu sehen ist, zum Beispiel ein erster Siebentausender. "Ü Zu Fang" (o. s. ä.) und da wir nicht sicher sind, wo wir uns exakt befinden und wie der Berg wohl in unseren Karten bezeichnet ist, setzt sie sich zu uns und hilft suchen - niedlich.

12:30 ist Zeit zum Mittagessen, bestehend aus sieben "Gängen" oder Schälchen. Wir fahren neben der ersten, obersten Brücke über den Yangtse vorbei, der hier oben auf viele kleine Bäche in einem breiten Bett verteilt fliesst; zu sehen gibt es ausserdem Nomaden, Antilopen, Yaks, Schafe, Pferde, Esel und tibetische Hirtenhunde „Mastiffs“.

14:35 ist für uns wieder ein bemerkenswerter Rekord zu verzeichnen. Wir sind am weltweit höchsten Punkt, der mit der Eisenbahn befahren wird, auf dem Tanggu La Pass in 5070 m ü. M. Leider hält der Zug hier nicht für einen Fotostopp. Dank der erhöhten Sauerstoffzufuhr in den Wagen und Abteilen (es stünden auch Sauerstoffmasken zur Verfügung), ist die Höhe problemlos zu ertragen. Zudem besteht die einzige Anstrengung im Marsch in den Speisewagen und zurück.

Die eigentliche Tibet-Bahn oder Lhasa-Bahn führt von Goldmud über 1125 km nach Lhasa und wurde zwischen 2000 und 2006 von über 100'000 Arbeitern erbaut. 960 km der Strecke liegen auf über 4000 m Höhe, 550 km davon auf Permafrostboden. Aufwändige technische Einrichtungen verhindern im Sommer das Auftauen des gefrorenen Bodens und damit die Destabilisierung des Trassees. Ein Meisterwerk, welches aber auch zu Kritik Anlass gibt.

Die Strecke geht nun den Amdo-See entlang und um 18:00 halten wir zum letzten Mal vor Lhasa. Beim Abendessen haben wir rechterhand das Gebirge Nyenchen Tanglha mit dem Siebentausender gleichen Namens. Lhasa kann aufgrund der Topologie nicht direkt aus Norden angefahren werden, deshalb wird es "grossräumig" umfahren und nach zwei Links-Knicken erreichen wir es aus Südwesten. Exakt um 22:00, nach genau 24 Stunden und 1972 km, heisst es: Alles aussteigen.

Lhasa - ein grosszügiger, im Stile des Potalas erbauter Bahnhof mit riesigem menschenleerem Vorplatz empfängt uns. Armee und Polizei sorgen dafür, dass Abholer keinen Zutritt erhalten und die ankommenden Passagiere schnellstmöglich verschwinden. Wir seien seit einem Monat die ersten Ausländer, die mit dem Zug hier in Lhasa ankommen. Unser neuer Local Guide Wang Dui, "Tibeter, nicht Chinese", begrüsst uns und hängt jedem eine weisse Khata um, ein traditionelles buddhistisches Ritual, jemandem seine Ehre zu erweisen. Die nächsten vier Nächte werden wir hier in Lhasa auf 3600 m ü. M. verbringen. Wir packen die Koffer in den Kleinbus und fahren in die Altstadt, wo das kleinere Hotel Dhood Gu - ganz im alten tibetischen Stil gebaut und möbliert - für uns bereit ist. Das allgegenwärtige Militär fällt uns schon jetzt unangenehm auf.

 

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Im Zug nach Lhasa. Stolz ist, wer hier arbeiten darf.

 

 

 

 

20. Tag: Mittwoch, 27. Juli 2011

Lhasa: Jokhang, Barkor, Sera

Die Bedienung beim Frühstück ist sehr freundlich und zuvorkommend. Als zehntes Mitglied ist jetzt auch Roland bei uns, der gestern von Kathmandu nach Lhasa eingeflogen kam. Wir schlendern durch die Altstadt und können zusehen, wie viele Tibeter (frischen) Wacholderreisig als Rauchopfer in weisse gemauerte Schlote werfen, wo sie verbrannt werden. Entsprechend bissig ist die verrauchte Luft in den Gassen. In den Menschenströmen sind auch Pilger, die sich niederwerfen und so den Jokhang auf dem Barkor, dem rituellen Weg, umrunden. Wir besuchen den Tempel, der als heiligste Stätte Tibets gilt und der Legende nach aus den siebten Jahrhundert stammen soll. Auch vor dem Eingang sind Dutzende Pilger, welche sich hier mehrmals niederwerfen. Mir gefällt es eher auf als in dem Tempel. Umrahmt von vielen vergoldeten Tempeldächern können wir die Aussicht auf Lhasa geniessen. Es hat sehr viele Besucher hier und ist entsprechend eng - zu eng für mich - und so lasse ich den legendären Jowo (gekrönter Shakyamuni) unbesehen im Ramoche-Tempel zurück.

Zum Mittagessen gehen wir ins Snowland Restaurant, vielleicht der berühmtesten Adresse in Lhasas Altstadt und geniessen unter anderem Yak Momos, Teigtaschen gefüllt mit Yak-Fleisch. Uns fällt auf, dass sehr viele chinesische Militärpatrouillen präsent sind, auch stehen an allen Verzweigungen in noch so kleinen Gässchen Wachsoldaten.

Am nördlichen Stadtrand befindet sich die Kloster-Universität Sera. Sie zählt mit Ganden und Drepung zu den "Drei Grossen Klöstern" des Gelug-Ordens. Wir warten auch hier so lange, bis sich die Mönche im Hof zum rituellen Debattieren treffen. Anders als im Kumbum-Kloster bei Xining scheint hier das Ritual langsam zu einer Show für Touristen zu verkommen, leider.

Wir haben noch etwas Zeit und wollen das "Tibet Museum" besuchen, aber jetzt um 17:00 wird es eben geschlossen, für die einen schade, für die andern zum Glück. Also bummeln wir nochmals durch die Altstadt und geniessen dann im Snowland unter anderem Yak-Steaks, Lhasa Beer und sogar Rotwein „Great Wall“, ein richtiger Chateau Lavabo mise en bouteille au garage.

 

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im Jokhang, dem heiligsten Tempel Tibets.

 

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Rezeption des Hotels Dhood Gu in Lhasa.

 

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Debattierende Mönche in der Kloster-Universität Sera.

 

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Das Tibet-Museum in Lhasa. Leider sind wir heute zu spät gekommen. Also nächstes Mal ...

 

 

 

21. Tag: Donnerstag, 28. Juli 2011

Lhasa: Drepung, Nechung, Potala-Palast

Es regnet. Hoffentlich wie gestern nur ganz früh am Morgen.

Wir fahren zum Kloster Nechung, etwas nördlich Lhasas an einem Hang gelegen. Seit dem siebzehnten Jahrhundert ist Nechung der Sitz des Staatsorakels, das vom jeweiligen Dalai Lama in wichtigen Angelegenheiten konsultiert wird, resp. wurde.

Noch ein bisschen weiter oben liegt die Klosteruniversität Drepung, was "Reishaufen für Mandalas" bedeutet.

Da wir um genau 13:00 Uhr im Potala-Palast sein müssen, gehen wir zum Mittagessen in ein tibetisches Restaurant gleich gegenüber dem Besuchereingang. Die Zeit müssen wir genau einhalten, denn um die Anlage einigermassen vor der Zerstörung durch millionenfaches Besuchergetrampel zu schützen, ist die Anzahl der täglichen Besucher beschränkt und die Besuchsdauer beträgt nur eine Stunde.

Der Potala-Palast war bis 1959 Regierungssitz der Dalai Lamas. Diese Tradition endete mit der Flucht des 14. Dalai Lama ins indische Exil. Der Palast steht auf einem Hügel inmitten Lhasas und besteht aus dreizehn Stockwerken und 999 Räumen (Angaben unkontrolliert übernommen). Heute ist er ein Museum, wird aber von vielen Tibetern als Pilgerstätte aufgesucht.

Nach dem doch schweisstreibenden Besuch trennen wir uns und jeder verbringt den Rest des Nachmittages auf eigene Faust. Wir gehen zum grossen Platz vor dem Potala, um möglichst schöne Bilder zu schiessen. Das ist ziemlich schwierig, denn vor dem Palast ist in provokativem Rot eine hässliche chinesische Tribüne aufgebaut. Es gibt aber eine kleine Plattform, von wo aus der Palast in seiner ganzen Pracht und Würde eingesehen werden kann. Die paar Yuan sind es wert! Ein frisch vermähltes Paar hat sich für seine Hochzeitsfotos auch diesen Ort ausgesucht.

Auf dem grossen Platz werden in diesen Tagen die Tribünen abgerissen und eine Wasserorgel beginnt zu spielen. Morgen Abend werde ich nochmals hierher kommen, um den Potala bei Nacht zu fotografieren.

Wir gehen zu Fuss die paar hundert Meter Richtung Hotel, wo wir wie verabredet die anderen treffen, um gemeinsam im Snowland zu Abend zu essen.

 

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Roland im Potala-Palast.

 

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Verena und Susi begutachten das Bild, welches das chinesische Mädchen von ihnen gemacht hat.

 

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Ein chinesisches Brautpaar bei den Fotoaufnahmen ihres Lebens vor der ehrwürdigen Kulisse des Potala-Palasts.

 

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Der Potala-Palast in Lhasa.

 

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Die Strassenunterführung vor dem Potala-Palast.

 

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Nächtliche Unterhaltung in Lhasa: Die Wasserorgel auf dem Platz vor dem Potala-Palast.

 

 

 

 

22. Tag: Freitag, 29. Juli 2011

Lhasa - Ganden - Yerpa - Lhasa

Draussen regnet es und um 07:00 ist es noch dunkel. Trotz des widrigen Wetters fahren wir ostwärts dem Lhasa River entlang, um dann nach rechts in ein Seitental abzubiegen und nach vielen Serpentinen das Kloster Ganden zu erreichen. Sechshundert Meter Höhenunterschied hat unser Kleinbus zu bewältigen. Die Klosterstadt Ganden mit dem ersten Gelupka-Kloster bestand ursprünglich aus zweihundert Gebäuden, von denen aber die meisten während der Kulturrevolution zerstört wurden. Nach und nach wird die Stadt wieder aufgebaut.

Da es immer noch regnet, Teile der Anlage hinter nebligen Wolken versteckt sind und es wahrscheinlich sehr glitschig sein würde, verzichten wir auf einen Rundgang und fahren zurück an den Stadtrand von Lhasa zum Mittagessen. Wie in an den letzten Tagen, wird auch jetzt das Wetter wieder besser. In einem kleinen Beizli gibt es Nudelsuppe und dann sind wir schon wieder unterwegs Richtung Drak Yerpa.

Wir fahren zuerst über einen heiligen Pass, der voller tibetischer Fähnchen behangen ist. Dann windet sich die Strasse wieder zum Lhasa River hinunter, was von hier ein sehr schöner Anblick ist. Wir biegen links ab und erreichen nach wenigen Kilometern das Höhlenkloster Drak Yerpa, wiederum auf etwa 4400 m ü. M. Es besteht aus Tempeln, zum Teil in Höhlen, zum Teil in die Felsen gehauen. Etwas weiter unten ist ein Stupa, von dem aus nochmals Drak Yerpa, aber auch die ganze reizvolle Gegend fotografiert werden kann.

Wieder in Lhasa besuchen wir noch kurz die Tempelgrotte, welche gegenüber dem Potala liegt und schreiben dann im Hotel die letzten Karten.

Nachtessen ist wieder im Snowland und um 21:00 fahren Daniel, Roland, Eve und ich mit zwei Rikschas zum Potala, um Nachtaufnahmen des Palastes und des Wasserspiels zu machen. Diese Rikscha-Fahrten sind Rodeo im Strassenverkehr, eigentlich fahrlässigster Wahnsinn.

 

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Kloster Ganden: Leider im Regen und nebelverhangen.

 

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Einer der Tempel im Felsen- oder Höhlenkloster Drak Yerpa.

 

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Gebetsmühlen im Kloster Drak Yerpa.

 

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Die Stupas unterhalb des Klosters Drak Yerpa.

 

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Der Potala-Palast bei Nacht.

 

 

 

 

23. Tag: Samstag, 30. Juli 2011

Lhasa – Samye – Tsetang (Tradrug, Yumbu Lhakang)

Zum letzten Mal frühstücken wir im lieb gewonnenen Hotel Dhoog Du, checken aus und bekommen alle zum Abschied wieder eine Khata umgehängt.

Wir fahren bei strömendem Regen auf der neuen Autobahn südwärts zum Flughafen und biegen dann nach Osten ab, um dem Fluss Brahmaputra zu folgen. Noch sieht das Wetter trist aus und an eine Flussüberquerung ist nicht zu denken. Doch wie eigentlich immer auf der Reise, meint es Petrus gut mit uns und wir können getrost ins offene Boot einsteigen. Eine halbe Stunde später sind wir drüben und fahren, resp. holpern mit einem kleinen Ortsbus über eine Piste Richtung Kloster Samye. Unterwegs passieren wir wunderschöne perlmuttartig schimmernde Sanddünen, aber der Bus hält leider nicht an.

Samye ist das älteste buddhistische Kloster Tibets und stammt aus dem achten Jahrhundert. Der legendäre Padmasambhava leitete den Bau. Das Wetter ist jetzt noch besser geworden und bei der Rückfahrt über den Brahmaputra ergibt sich ein prächtiger Landschaftseindruck mit dem Fluss, blauem Himmel und Kumuluswolken über den Bergkämmen beidseits des Flusses. Da wir mit dem Wind fahren, ist auch der Komfort grösser.

Kurz bevor wir am Ufer sind, muss unser Kapitän eine auf einer Sandbank festsitzende Fähre abschleppen, und weil deshalb mit dem Auftauchen der Polizei zu rechnen ist, müssen wir Schwimmwesten überziehen - oder mindestens so tun als ob.

Mit unserem Kleinbus erreichen wir nach dreissig Kilometern die Stadt Tsetang, wo wir im gleichnamigen noblen Hotel einchecken, um aber gleich weiter zu fahren zum Kloster Tradrug, das nur fünf Kilometer südlich der Stadt liegt. Hier können wir in eine "richtige" Klosterküche schauen und Künstlern beim Malen von Wandsujets zusehen.

Noch etwas weiter ist die Festung Yumbu Lhakang, die der Sage nach aus dem fünften Jahrhundert stammen soll. Die Fahrzeuge müssen unten bei der Hauptstrasse bleiben und der Aufstieg geht entweder zu Fuss, mit Eseln oder Kamelen. Wir gehen – trotz der Höhe von 3560 m ü. M. - alle zu Fuss und geniessen hundert Meter weiter oben einen wunderschönen Rundblick ins Brahmaputra-Tal und die Berge ringsum.

Wieder unten beim Bus sehen wir, dass dessen Rückscheibe zersplittert ist. So können wir sicher nicht nach Rongbuk fahren. Im Super-Hotel gibt es zum ersten Mal "richtig chinesisches Essen", mit so vielen verschiedenen Schalen und Schälchen, dass die Bedienung nur schwer weitere freie Plätze auf dem Tischkarussell findet, herrlich.

Nach dem Essen mache ich mit Daniel einen kleinen Rundgang durch die Stadt und vor dem Zubettgehen trinken wir noch ein Gläschen Wein an der Hotelbar.

 

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Im Kloster Samye.

 

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Auf der Rückfahrt von Samye Richtung Tsetang (Brahmaputra).

 

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Tsetang: Das von zwei Gazellen flankierte Rad des Lebens auf dem Dach eines Tempels im Kloster Tradrug.

 

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Tsetang: Im Kloster Tradrug.

 

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Tsetang: Küche im Kloster Tradrug.

 

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Abendessen im Hotel Tsetang.

 

 

 

 

24. Tag: Sonntag, 31. Juli 2011

Tsetang – Mindroling – Yamdrok-See – Gyantse

Die Agentur hat dafür gesorgt, dass wir einen neuen Bus erhalten werden, aber keine 4x4 Fahrzeuge. Die versprochene "abenteuerliche Jeep-Strecke von Rongbuk nach Tingri" fällt also definitiv ins Wasser, aber was schlimmer ist, wir bekommen den Eindruck, dass Carl und vor allem der Guide gar nicht nach Rongbuk zum Everest Base Camp wollen. Noch sind zwei Tage Zeit, bessere Fahrzeuge zu bestellen, denn für die meisten von uns ist Rongbuk ein Höhepunkt der Reise. Das lassen wir uns nicht einfach wegorganisieren. Wir fahren etwas dem Brahmaputra entlang zurück Richtung Lhasa und besuchen in einem Seitental das Kloster Mindroling.

Es wird von einem grossen weissen Stupa überragt, der als erstes in der Ferne sichtbar ist. Mindroling war in den letzten Jahren oft für Touristen geschlossen. Auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse besuchen wir kurz das Dorf Yangguna. An der Kreuzung über den Fluss werden dann die Busse ausgetauscht: - gleiches Modell, also untermotorisiert.

An einer heiligen Stelle am Brahmaputra, wo manchmal Leichen bestattet werden, machen wir kurz Halt und dann geht es steil nach oben. Sehr oft muss der neue Fahrer in den ersten Gang schalten, um den Motor nicht abzuwürgen. Von hier oben, auf dem Kampa La Pass in 4800 m ü. M. bietet sich wirklich ein sehr schöner Ausblick über den Yamdrok-See, aber die Sorge um den weiteren Verlauf der Reise lässt keine grosse Freude zu. Kommt dazu, dass wir uns eher beeilen müssen, denn die langsame Fahrt hat natürlich viel mehr Zeit gekostet als erwartet. Daniel gibt seinen Unmut per Mikrofon allen kund, denn vor uns liegen noch höhere Pässe - das ist gut, um nicht Frustration in sich aufzustauen. Wir machen Carl den Vorschlag, Herrn Wettstein anzurufen, aber der ist um diese Zeit sonntags in der Schweiz wohl noch in den Federn.

Etwa vierzig Kilometer folgen wir dem gestauten See, dessen gesamte Oberfläche knapp einem Zehntel der Schweiz entspricht, aber wegen der starken Zergliederung ist jeweils nur ein kleiner Ausschnitt einsehbar.

Es ist bereits 16:00, als wir im Städtchen Nakartse zu Mittag essen. Vor uns steht der Anstieg auf den Karo La Pass auf 5000 m ü. M., aber die Kiste schafft die Strecke erstaunlicherweise problemlos, da es sehr gleichmässig nach oben geht. Wir sind etwas erleichtert und erfreuen uns am Anblick der Gletscherzunge aus dem Noijinkangsang, einem Siebentausender, der erst 1986 zum ersten Mal bestiegen wurde.

Es geht wieder hinunter; wir fahren dem Gyantse-Stausee entlang und nach etwa siebzig Kilometern sind wir um 18:40 in Gyantse auf 4000 m ü. M. unten. Die Fahrt war wunderschön! Der Eingangsbereich des Hotels Gyantse wird gerade neu mit Malereien verziert. Im Restaurant Ta Shi gibt es Abendessen im ersten Stock und Michael bekommt eine Torte zum Geburtstag - "Happy Birthday, Michael". Da die morgige Etappe nur sehr kurz ist, werden wir bis 07:30 ausschlafen dürfen. Ein guter Entscheid - angesichts der immer noch kritischen Stimmung.

 

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In der Gebetshalle des Klosters Mindroling.

 

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Bei der Fahrt auf den Kampa La Pass ist ein schöner 22° Halo um die Sonne zu sehen.

 

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Aussicht vom Kampa La Pass auf den Yamdrok-See.

 

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Kurz vor Gyantse.

 

 

 

 

25. Tag: Montag, 1. August 2011

Gyantse (Kloster Pelkhor Chöde, Kumbum) – Shigatse (Kloster Tashi Lunpo)

Das Wetter ist schon frühmorgens gut, und vom Hotel aus geniesst man einen schönen Ausblick auf die Burg, welche die Stadt etwas überragt. Sie gehört zum Kloster Pelkhor Choede mit seinen einzigartigen Kunstschätzen und einem der ältesten Ghökang (Kammer der Schutz-Gottheiten). Wir werden die kurze Strecke zum Kloster gefahren und verweilen dann im Kumbum, der mehrstöckigen und begehbaren Stupa in Form eines Mandala. In den fast hundert Kammern und Räumen sollen sich siebenundzwanzigtausend Abbildungen buddhistischer Gottheiten befinden.

Nach dem Klosterbesuch bummeln wir durch die Altstadt Gyantses, die noch ganz authentisch erhalten ist. Wir müssen sehr aufpassen, wohin wir treten, denn in den lehmigen Gassen sind vor vielen Wohnungen angebundene Kühe (... und deren Spuren). Von hier aus sind es nur noch ein paar Schritte zum Restaurant Ta Shi, wo wir zu Mittag essen.

Es ist 13:30, als wir Richtung Richtung Shigatse abfahren, der höchstgelegenen chinesischen Stadt auf 3840 m ü. M., nur gut hundert Kilometer von hier entfernt.

Unterwegs halten wir bei einer kleinen Getreidemühle rechts an der Strasse. Die Mühle ist in Betrieb und der Mühlstein wird von einem Flügelrad direkt angetrieben. Statt Eintritt zu bezahlen kaufen wir Gersten-Popkorn.

In Shigatse checken wir im Hotel Manasarovar ein und besuchen das Kloster Tashilunpo, den Stammsitz und der Grabchörten der Panchen Lamas. Leider hat es auch hier sehr viele Menschen, was den Genuss des Besuches schmälert. Zudem sind wir alle, offen gestanden, etwas klostermüde geworden. Wir schlendern eine halbe Stunde durch den kleinen Trödelmarkt und essen dann im hoteleigenen Restaurant zu Nacht. Wir diskutieren lange darüber, wie die Fahrt weitergehen soll, denn es ist uns klar, dass wir es mit dem kurzatmigen Minibus nicht schaffen werden, wie im Programm vorgesehen, das Kloster Sakya (erst ab 09:00 offen) zu besuchen und vor Einbruch der Dunkelheit Rongbuk zu erreichen.

Ein Tag nach Michaels Geburtstag wird wieder gefeiert, nämlich den 1. August und Carl hat für die Bundesfeier vorgesorgt: Eine in Lhasa massgeschneiderte Schweizer-Fahne als Tischset, Wein zu den Swiss-Steaks und nach dem Essen draussen ein zünftiges Feuerwerk. Ein Wunder, dass die sonst omnipräsente chinesische Armee ob dem Böllerlärm nicht auftaucht.

 

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Gyantse: Die Burg des Klosters Pelkhor Chöde im Morgenlicht.

 

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Gyantse: Der Kumbum im Kloster Pelkhor Chöde.

 

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Gyantse: Im Kloster Tashilunpo. Am oberen Bildrand die grosse Thangka-Wand.

 

 

 

 

26. Tag: Dienstag, 2. August 2011

Shigatse – (Sakya) – Rongbuk

Um 06:00 ist Tagwache und um 07:30 fahren wir ab. Natürlich konnten in der Nacht keine besseren Fahrzeuge hierher gezaubert werden, also liegt es an uns, das Beste aus der Situation - sprich unserem Kleinbus - zu machen. Es regnet, aber die Landschaft ist sehenswert mit den vielen Schwemmbetten.

Eine 5000 km-Marke lädt zu einer Pinkelpause ein. Es ist die Strassen-Distanz nach Shanghai, der wahrscheinlich zukünftigen Hauptstadt Chinas. Um 09:30 sind wir eine Stunde hinter dem Zeitplan; für die Fahrt über 325 km sind gemäss Programm sieben Stunden vorgesehen. Wir müssen uns entscheiden, entweder das Kloster Sakya zu streichen, oder Rongbuk und den Mount Everest zu vergessen. Mit zwei Gegenstimmen lassen wir Sakya fallen.

In Lhartse biegen wir nach Süden ab - wir sind jetzt auf dem Friendship Highway und müssen einen Checkpoint passieren, denn ohne Permit kämen wir hier nicht weiter. Es geht relativ sachte nach oben und um 11:10 sind wir am höchsten Punkt unserer Reise, auf dem 5248 Meter hohen Lhakpa La Pass angekommen. Es liegt etwas Schnee und alle lassen sich zur Erinnerung vor dem „Gipfelmonument“ ablichten.

Etwa vierzig Kilometer weiter hätten wir zum ersten Mal die theoretische Möglichkeit, den Mount Everest in hundert Kilometern Entfernung zu sehen, aber die Fernsicht reicht nicht aus. Mittagessen gibt es in einem einfachen Restaurant in der Nähe von New Tingri.

13:30 fahren wir weiter, biegen nach einigen Minuten auf die Piste Richtung Rongbuk ab, wo uns ein weiterer Checkpoint mit Pass- und Permitkontrollen zwanzig Minuten kostet. Die höchste Stelle auf dieser Piste, die durch wunderschöne Landschaften führt, ist der Pang La Pass mit 5150 m ü. M. Wenn die letzten Kilometer vor dem Pass schon sehr kurvenreich waren, so ist der "Abstieg" geradezu eine Karussell-Fahrt, Haarnadel an Haarnadel - ein einmaliges Erlebnis.

Und nochmals ein Checkpoint! Das letzte Stück ist ein problemloser Aufstieg auf fünftausend Meter. Wir - und unser Kleinbus - haben es geschafft und sind in der kleinen Zeltstadt in Rongbuk angekommen. Geradeaus wäre der Mount Everest zu sehen, aber Nebelschwaden und Wolken lassen uns nur ab und zu einen kurzen Blick auf seine Spitze im Abendlicht erhaschen.

Nach einem längeren Palaver zwischen dem Zeltvermieter, unserem lokalen Reiseleiter und der chinesischen Reiseagentur wird entschieden, dass wir nun doch im Gästehaus (Hotel) etwas weiter unten übernachten, obwohl da ein inzwischen aus - nennen wir es -  unerfindlichen Gründen ein Aufpreis fällig geworden zu sein scheint. Es hat sich gelohnt, alles daran zu setzen, hierher zu kommen und alle sind sehr glücklich, auch wenn die meisten zu müde sind, um noch das Kloster Rongbuk zu besichtigen.

Das Essen im Hotel schmeckt gut, aber im ganzen Haus oder zumindest auf unserem Stock stinkt es stark nach Urin, denn auf sanitäre Hygiene wird in China (noch immer) kaum Wert gelegt. Ich schlafe schlecht, weil ich trotz Socken und mehreren Bettdecken kalte Füsse habe, mein Körper hat die Peripherie zum Sauerstoff sparen abgestellt und jedes Mal, wenn ich erwache, steigt mir dieser Gestank in die Nase.

 

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Unterwegs nach Tingri: Eve am höchsten Punkt unserer Reise, dem Lhakpa La Pass auf 5248 m ü. M.

 

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Unterwegs nach Rongbuk: Das Pistenkarussell am Pang La Pass.

 

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Wenige Minuten, bevor wir Rongbuk erreichen.

 

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Das Kloster Rongbuk.

 

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Tibetisches Kind in Rongbuk.

 

 

 

 

27. Tag: Mittwoch, 3. August 2011

Rongbuk – Mount Everest Basecamp – Zhangmu/Khasa

Wir dürfen sogar bis 06:30 im Bett bleiben und haben tatsächlich Wetterglück, denn der Mount Everest ist jetzt während einer Stunde recht gut zu sehen. Zum Frühstück gibt es sogar - wir Westler mögen das - Omeletten.

Kurz nach acht Uhr fahren wir los. Heute können wir mehrmals bei Fahrpausen zurück zum Mount Everest blicken.

Nach knapp drei Stunden sind wir wieder auf dem Pang La Pass (Karussell) und um 11:30 sind wir auf der Hauptstrasse, siebzig Kilometer vor Tingri. Wie schon die Pistenfahrt gestern und heute, so ist auch diese Landschaft sehr schön. Hier sind es bizarre Felsen, welche die weiten Ebenen säumen.

Mittagessen gibt es im Hotel Lhasa in Tingri, wo sich Daniel auf dem Markt ein Polizei-Spielzeugauto kauft. Noch zweimal kratzen wir die 5000 Meter-Marke: Um 15:00 auf dem Lalung La Pass, wo die Cola-Büchse des Fahrers explodiert, und kurz darauf auf dem Thong La Pass. Zum Abschied von den Achttausendern (Mount Everest, Cho Oyu, Shishipagma) fotografiere ich ein Panorama.

Ab jetzt wird es bis Kathmandu (1300 m ü. M.) nur noch abwärts gehen. In einem kleinen Dorf, Ta Shi Do (o. s. ä.), halten wir an und einige besuchen Einheimische, die im Garten Würfel spielen.

Die Gegend verengt sich mehr und mehr zu einer Schlucht, an deren oberen Ende das Industriestädtchen Nyalam liegt. Unser Fahrer lässt uns am unteren Ende aussteigen und fährt den Bus in der Zwischenzeit zur Tankstelle.

In dieser Zeit können wir einen ersten Blick in die nun folgende Schlucht werfen, die uns Carl als Highlight versprochen hat. Tatsächlich wird die Strasse immer spektakulärer, oft sieht man vom Strassenrand aus gar nicht wo die nächste Haarnadelkurve weiter unten verläuft, so steil sind die Wände der Schlucht. Auf der anderen Talseite ist jetzt Nepal; die Wände sind bewaldet und neben den über 35 °C herrscht eine Luftfeuchtigkeit von gegen hundert Prozent. Nebelschwaden steigen die Regenwälder hoch und unzählige kleine Wasserfälle ergiessen sich über die Felswände: Wir sind in den Tropen angekommen! Einige Wasserfälle, die sich auf die Strasse ergiessen, sind so ergiebig, dass sie seit jeher als Autowaschanlage genutzt werden, so auch von uns.

Um 18:00 erreichen wir das heutige Tagesziel, den chinesisch-nepalesischen Grenzort Zhangmu auf 2’300 Meter. Dieser Ort ist eine Mischung aus sehr steilem Gelände, von Häusern gesäumten Haarnadelkurven, geparkten Autos und Lastwagen, fahrenden Autos und Lastwagen und im Weg stehenden Autos und Lastwagen. Hinzu kommen sich durch das Chaos schlängelnde Motorräder und natürlich - Menschen und Hunde - und der Kleinbus, in dem wir sitzen. Während einer Dreiviertelstunde nähern wir uns eher stehend als fahrend dem Hotel Zhangmu. Zu guter Letzt steigt Carl aus und amtet als Verkehrspolizist - und hat sogar Erfolg. Nun können wir vor dem Hotel anhalten und unsere Koffer aus dem Bus nehmen - natürlich Hupkonzert inklusive.

Um das Abenteuer zu vervollständigen, hat die ganze Stadt keinen Strom und kein Wasser, so auch das Hotel und das Restaurant Gang Gjeng gegenüber, in dem wir das Abendessen bestellen. Wir müssen deshalb zwei Stunden warten, denn gekocht wird offenbar nur auf einem Not-Gasherd - bei Kerzenlicht.

Die Dusche, auf die wir uns nach der Katzenwäsche in Rongbuk so gefreut haben, fällt ins eben nicht vorhandene Wasser. Susi ist erkältet und lässt das Nachtessen aus. Während dem Warten im Restaurant habe ich genügend Zeit, mal nach ihr zu schauen, ohne etwas zu verpassen.

 

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Der Mount Everest kurz nach Sonnenaufgang.

 

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Auf dem Thong La Pass, wo wir zum letzten Mal auf 5000 Metern sind (5153 m ü. M.)

 

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Wunderschöne Fahrt Richtung Nyalam und dann zur nepalesischen Grenze.

 

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Bei Nyalam: Warten auf den Bus, bevor es in die Schlucht geht.

 

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Richtung Zhangmu: In der Schlucht sind wir dreissig Minuten später im (natürlich sub-) tropischen Regenwald.

 

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Zhangmu: Blick vom Hotelzimmer in den oberen Teil der Stadt.

 

 

 

 

28. Tag: Donnerstag, 4. August 2011

Zhangmu/Khasa – Kathmandu

Immerhin fliesst das kalte Wasser wieder, ab und zu gibt’s irgendwo sogar Licht und unerwartet ein gutes westliches Frühstück.

Wir fahren um 08:00 bereits los hinunter zur Grenze an der Friendship Bridge, vorbei an vielen geparkten Trucks. Wir sind tatsächlich – wie erhofft - die ersten am Grenzgebäude und müssen warten, bis die Zöllner auch gegenüber - in Nepal - ihren Dienst antreten. Das dauert, denn Nepals Zeit geht um zweieinviertel Stunden nach.

Wir werden um diese zweieinviertel gewonnenen Stunden noch froh sein, denn wir haben erfahren, dass die Strasse durch einen Erdrutsch über eine grössere Strecke verschüttet und nur für Fussgänger passierbar sei.

Wir verabschieden Wang Dui und den sehr guten Fahrer, die jetzt umkehren und „leer“ nach Lhasa zurückfahren werden. Nach Erledigung der Ausreisebürokratie und Durchsuchung unserer Koffer von Hand (es hat offenbar noch immer keinen Strom für die vorhandenen Scanner), übergeben wir unser Gepäck mit gemischten Gefühlen einigen Jugendlichen, überqueren die Friendship Bridge zu Fuss und beantragen bei den nepalesischen Behörden, nein kein Asyl, aber das Einreisevisum. Ein kurzes Antragsformular und 25 Dollar in bar wechseln die Hände und wir sind in Nepal.

Welch eine Diskrepanz innerhalb von 100 Metern. Dort adrette überkorrekte Beamtinnen und Beamte in schicken Uniformen im klimatisierten Räumen und da nun Männer in uneinheitlicher Freizeitbekleidung in einer nicht einmal angeschriebenen stickigen Bretterhütte - mit WC, Gott sei Dank!

Nach dem Überqueren der Grenzbrücke ändert sich der Menschenschlag augenblicklich. Hier gibt es keine tibetischen Gesichter mehr, sondern nur noch nepalesisch-indische. Ein Gewimmel von Männern und Frauen, die mit Koffertragen etwas Geld verdienen wollen. Unsere Koffer werden auf eine Ladefläche gehievt und wir werden mit mehreren Jeeps so weit gefahren, bis es für Fahrzeuge kein Durchkommen mehr gibt. Dann geht es zu Fuss weiter, denn die Strasse ist auf mehreren hundert Metern verschüttet. Unser Gepäck wird von Einheimischen bis zum wartenden Kleinbus getragen.

Wir werden vom Local Guide Mukda begrüsst, und wiederum wird uns durch das Umhängen einer Khata die Ehre erwiesen. Die Strasse Richtung Lhasa ist ab hier wieder „normal“ befahrbar, wobei der Fahrer einige Male Millimeter-Präzision leistet. Carl bittet uns, tunlichst nie die Arme aus dem Wagenfenster zu halten (zum Beispiel beim Fotografieren). Das leuchtet sofort ein! Bis Zhangmu was der Fluss Grenze zwischen Tibet und Nepal, aber hier ist die ganze Schlucht nepalesisch. Um auf die jeweils andere Flussseite zu gelangen, wurden einige Hängebrücken gebaut, und so eine wollen wir natürlich auch begehen. Die Schlucht wird langsam immer offener und mittels vieler Terrassen ist sie von den Einheimischen landwirtschaftlich nutzbar gemacht worden.

Kurz vor dreizehn Uhr kaufen Carl und Mukda im Städtchen Barabise Früchte als Zwischenverpflegung ein. Mukda erzählt uns von nepalesischen Bräuchen und singt sogar ein Lied. Das erste Mittagessen geniessen wir im Restaurant Snow View Mountain Resort. Nicht nur das Essen ist zu geniessen, sondern auch die schöne Aussicht zu den Bergen, Hügeln und Tälern. Das Wetter wird allmählich schlechter - schliesslich ist ja Monsunzeit und in Kathmandu fällt im Juli/August mit Abstand am meisten Regen.

Kurz vor Bhaktapur, einer grossen Vorstadt Kathmandus, steht rechts der Strasse die grösste Shiva-Statue - kurzer Fotostopp. Die blauen Dächer auf einigen Häusern würden auf Bordelle hinweisen, die somit von weitem sichtbar sind, und den Fernfahrern unnötige und peinliche Fragen und Umwege ersparen.

Kathmandu auf nur noch 1300 m ü. M. erreicht man von hier aus, es sind nur wenige Kilometer, auf der Autobahn, welche seit kurzem die Trolleybusse ersetzt. Ein kurzer, aber heftiger Regenschauer setzt sie gleich zentimetertief unter Wasser, aber der Spuk dauert nur wenige Minuten.

Um 16:00 sind wir am letzten Etappen-Ort angekommen und beziehen für zwei Tage Zimmer im Hotel Vajra. Dieses hübsche Hotel ist im englischen Kolonialstil gebaut und besteht aus mehreren kleineren Gebäuden und einer Gartenanlage. Zu unserer Freude hat es hier sehr grosse blaue Schmetterlinge. Wir werden im salonartigen Esszimmer mit Kaffee begrüsst und können dann endlich - warm - duschen. Klick - Stromausfall für zehn Minuten.

Wir spazieren über den Fluss in Kathmandus Altstadt-Quartier Thamel und essen im ersten Stock eines kleinen Restaurants zu Nacht. Zurück ins Hotel gehen wir (heute) zu Fuss, was ziemlich anstrengend ist, denn man muss gut aufpassen, wohin man im Dunkeln tritt und dann ist da ja noch dieser wahnwitzige Linksverkehr, ganz abgesehen von den oft grossen Löchern in den Strassen und fehlenden Kanaldeckeln.

 

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Die Hauptverbindungsstrasse zwischen Tibet (Lhasa) und Nepal (Kathmandu): Der Arniko-Highway.

 

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Die Hauptverbindungsstrasse zwischen Tibet (Lhasa) und Nepal (Kathmandu): Der Arniko-Highway.

 

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Daniel auf einer der Hängebrücken in der Schlucht Richtung Kathmandu.

 

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Vor Bhaktapur: Eine der grössten Statuen Shivas (43 m). Die Oberfläche ist aus Zink und Kupfer, um sie vor Umwelteinflüssen zu schützen.

 

 

 

 

29. Tag: Freitag, 5. August 2011

Kathmandu: Swayambhunath, Durbar Square (Wohnsitz der Kumari), Bodnath, Patan

Wir sind sehr gut ausgeschlafen, denn das gestrige Zurückstellen der Uhren wirkt sich natürlich günstig aus. Dazu kommt noch die Anpassung an grosse Höhen. Hier sind unsere Körper richtig verwöhnt.

Einen Kilometer westlich des Hotels Vajra befindet sich auf einem Hügel Swayambhunath, eine hinduistisch-buddhistische Tempelanlage, auch "Affen-Tempel" genannt. Wir erreichen den obersten Stupa über eine 365-stufige Treppe, an deren Seiten viele Steinfiguren zu bewundern sind. Die Anlage wird von vielen Menschen besucht, und so hat es auch viele Souvenir-Stände.

Wieder unten erwartet uns der Kleinbus, der uns ins alte Kathmandu mit dem ältesten Tempel bringt. Mukda erklärt, dass Kathmandu Holzhaus bedeutet. Die Altstadt um den Hanuman Dhoka Durbar Square ist mit weiteren Altstadt- und Tempelvierteln seit 1979 Weltkulturerbe der UNESCO. Wir haben das Glück, dass sich die Kumari für wenige Sekunden am Fenster zeigt, jenes Mädchen, das als lebende Göttin verehrt wird.

Zum Mittagessen werden wir ins Hotel Padma nach Bodnath, einem Viertel nordöstlich des Stadtzentrums gefahren. Hier befindet sich ein 36 Meter hoher Stupa, den buddhistische Pilger vor allem morgens und abends im Uhrzeigersinn umrunden. Nachmittags spazieren wir nochmals durch eine Tempelanlage - Patan.

Unsere gemeinsamen Ferien gehen heute zu Ende. Der Bus hat uns ins Vajra gefahren, und wieder einmal verabschieden wir einen Local Guide und seinen Fahrer. Mukda war ein sehr angenehmer und ruhiger Begleiter.

In Kathmandus Restaurant Nummer 1, der Pizzeria Fire and Ice im Altstadtteil Khamel essen wir zu Nacht. Daniel bedankt sich in unserem Namen bei Carl. Die gemeinsame Reise ist dank seiner ständigen Fürsorge um unser Wohlergehen ("Achtung Kopf", ...) und seines grossen Einsatzes während der politisch bedingten Schwierigkeiten und den Problemen mit den Fahrzeugen ein tolles und - hoffentlich - unvergessliches Abenteuer geworden. Auch Carl bedankt sich bei der Gruppe, in der jede und jeder mitgeholfen hat, aus allen Situationen jeweils das Beste zu machen.

Es regnet, als wir ins Hotel wollen, also verteilen wir uns auf drei Taxis Richtung Hotel Vajra.

 

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Kathmandu: Der oberste Stupa der hinduistisch-buddhistischen Tempelanlage Swayambhunath.

 

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Kathmandu: Daniel in Swayambhunath: "How much?"

 

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Kathmandu: Namensgeber des Affen-Tempels in Swayambhunath.

 

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Kathmandu: Türverzierung im Tempel der Kumari.

 

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Kathmandu um 12:00 Uhr: Wir sind zu Fuss auf dem Weg zum Mittagessen.

 

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Kathmandu: Badende Kinder in der Tempelanlage Patan.

 

 

 

 

30. Tag: Samstag, 6. August 2011

Kathmandu: Pashupatinath – Doha

Der letzte Tag beginnt wieder mit einem gediegenen und gemütlichen Frühstück. Wir dürfen die Zimmer bis zur Abreise am Abend behalten.

Mit einem grossen Taxi fahren wir nach Pashupatinath, einer Kultstätte aus dem zwölften Jahrhundert etwas östlich des Zentrums Kathmandus. In dieser Shiva gewidmeten Tempelanlage werden Tote verbrannt und die Asche dem heiligen Fluss Bagmati übergeben. Wir schauen uns dieses Ritual an: Der in ein oranges Tuch gehüllte Leichnam wird zuerst symbolisch gewaschen und dann mit einer Bahre auf einen vorbereiteten Holzstapel getragen. Das Tuch wird in den Fluss geworfen und der älteste Sohn des Verstorbenen entzündet das Feuer. Nach dem Verbrennen wird die Asche auch in den Fluss gekehrt.

Zum Mittagessen sind wir wieder im Vajra, wo wir uns von Getrud und Michael verabschieden, denn sie fliegen noch für einen Tag nach Delhi und dann nach Wien.

Wir andern verbringen den Nachmittag nochmals in den verschlungenen Gässchen der Altstadt. Zuerst gehen wir durch den Bazar Azan Tol mit seinen vielen kleinen Tempeln, von denen wir den Tempel der Jamabahaa Society besuchen. Wir sind jetzt in Thamel und leisten uns zum Abschluss eine Rikscha-Fahrt zum Hotel. Es ist 16:00, als starker Monsunregen einsetzt. Duschen und Abendessen.

Wir sind reisefertig und verabschieden uns von Daniel, der erst morgen heimreisen wird. Von der Fahrt zum Flughafen bekomme ich nicht viel mit; ich bin zu müde. Jetzt heisst es auch für uns, von Carl Abschied zu nehmen. Er bleibt noch zwei Tage in Kathmandu. Nach etlichen Sicherheitschecks steigen wir bei strömenden Regen in den Airbus A-320 der Qatar Airways. Um 23:30 heben wir ab Richtung Doha, der Hauptstadt Katars.

 

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Kathmandu: Totenverbrennungs-Zeremonie am heiligen Fluss Bagmati in Pashupatinath.

 

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Die Tempelanlage Pashupatinath in Kathmandu.

 

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In Kathmandus Altstadt Thamel: T-Shirts werden in kunstvoller Handarbeit hergestellt.

 

 

 

 

31. Tag: Sonntag, 7. August 2011

Rückflug Doha – Zürich

In Doha haben wir sechs Stunden totzuschlagen, bevor es Richtung Zürich geht. Da haben wir auch Gelegenheit, uns wieder an "normale" Preise zu gewöhnen, kostet doch ein Kaffee etwa so viel wie drei Nudelsuppen! Nachmittags um 14:00 landet unser Airbus A-330 in Zürich und wir verabschieden uns von Eve und Daniel. Die Zugfahrt nach Basel ist natürlich angesichts der Erlebnisse nicht mehr erwähnenswert, aber morgen - muss ich wieder zur Arbeit gehen!

 

 

 

Epilog

Seit der Heimkehr sind jetzt bereits fünf Wochen vergangen. An manchen Abenden habe ich nach der Arbeit an diesem Tagebuch geschrieben. Mit Google Earth und Wikipedia habe ich jeweils kontrolliert, ob ich mich irgendwo "verirrt" habe und anhand unserer Fotos war ich oft "wieder in Tibet". Und es gibt keinen Tag, den ich hätte missen wollen, denn wir waren - um es kurz zu machen - wirklich eine "Super-Truppe". Dank euch allen! Und - Hand aufs Herz - nur mit dem kleinen mistigen Bus konnten wir die ganzen Ferien gemeinsam verbringen, ohne auf 4x4's verteilt oder "zerstreut" zu werden, denn "Möchte noch jemand Moon cake oder Cracker?"

 

 

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Hinweis zum Copyright:

Einige Textpassagen wurden dem Reiseprogramm von Insight-Reisen entnommen.

Die Rechte der Bilder und Texte auf dieser Webseite sind beim Autor Robert Nufer, Therwil (Schweiz)